Die idyllische Ankerbucht

Wir lagen gemütlich vor Anker in einer der zahllosen idyllischen Buchten der Ionischen Inselwelt und genossen gerade unseren Sundowner in der Plicht, als sich ein weiteres Boot in die Bucht schob. Aufgeregtes Stimmengewirr drang an unsere Ohren.

Wenn man selbst schon alles aufgeklart hat, ist es immer lustig, die Anker- oder Hafenmanöver der anderen zu verfolgen. Wir reichten also die Flasche noch mal rum, und in stiller Übereinkunft legte jeder seine „Lästerplatte“ auf, mal sehen, was die so zu bieten hatten! Zwei große Kreise und eine acht wurden gefahren, und alle standen an Deck, spähten ins Wasser und gaben „Untergrundinformationen“ an den Skipper durch. Sehr amüsant!

Ein Anker plumpste ins Wasser und gleich darauf platschte es noch einmal laut. Nanu – haben die es mit dem Baden so eilig, wohl ausgetrocknet, was? Nein – das war der Heckanker, und nun sahen wir, wie zwei weitere Crewmitglieder noch ein großes Ankergewicht zum Bug schleppten. Mit vereinten Kräften wurde es mühsam über die Reling gehievt und versenkt. Mit hochrotem Kopf machten die „Ankergewichtler“ dann einer Dame und einem jungen Kerl Platz, die mit flinken, sportlich geschulten Bewegungen einen weißglänzenden Bugfender unter der Ankerkette und dem dicken Tau des Ankergewichtes hindurchfädelten und am Boot befestigten. Hinten spritzte schon wieder das Wasser auseinander, mit Tauchermaske, Schnorchel und Flossen ausgerüstet wurde nun ganz offensichtlich die ordnungsgemäße Lage aller Anker kontrolliert, eine gelungene Vorstellung.

Wir saßen wirklich wie bei ARD und ZDF in der ersten Reihe, und unsere Lachmuskeln wurden arg strapaziert. Nach der Aktion am Bug wunderten wir uns auch nicht mehr, als nun längsseits der schönen Yacht ebenfalls große Fender befestigt wurden – wohlbemerkt: in einer 800m breiten Bucht mit zwei Schiffen! Wir schlossen gerade Wetten ab, welcher Nationalität diese Spaßvögel wohl wären, als drüben ein Schlauchboot zu Wasser gelassen wurde. Ein etwas älterer dicklicher Typ behängt mit mehreren Tampen und einer Kette ließ sich im Dingi nieder, und der Jüngling von vorhin griff in die Riemen. So strebten sie dem Ufer zu. Ganz offensichtlich versuchten sie anzulanden, was bei den schroffen spitzen Felsen und dem eindeutig überladenen Schlaucher ein waghalsiges Unternehmen war. Dann schienen sie eine passende Stelle gefunden zu haben, und der Dicke kraxelte samt Kettenbehang eine kleine Felszacke hoch. Grad wollte ich die anderen fragen, ob es hier in der Gegend nicht……da hörten wir auch schon einen Schrei………..Seeigel, Sch…..!

Während bei uns im wahrsten Sinne des Wortes Tränen gelacht wurden und ich mir unter Schüttelkrämpfen etwas vom guten Retsina über die Schenkel kippte, erkannte ich nun den Sinn der Aktion. Eine Landleine!!

Schlagartig verging mir das Lachen. Hatte ich etwas übersehen? Fallwinde, eine Gewitterfront mit Sturmböen, Orkane, Seebeben??? Nein alles ruhig! Wir lagen in einer westlich geöffneten Bucht und hatten idealen, lauen Südwind. Kein Strom war zu spüren und kein unterirdischer Quell blubberte. Ein herrliches Abendrot bot uns ein Farbenspiel in der Bucht, das man nicht beschreiben kann, und das Barometer zeigte unverändert auf „Schön“. Vorsichtshalber kontrollierte ich noch mal das Wetterfax und nutzte auch mein Handy mit den neuen Wetterdienstanzeigen per SMS – alles ruhig! Friedlich schwoite unsere Yacht um ihr „ Ankerchen“. Durch die Lageveränderung konnten wir nun auch an der unter der Saling befestigten großen blauen Europaflagge die drei rot-weiß-roten Balken erkennen, die für eine ganz bestimmte Spezies der „Gebirgssegler“ steht. Wortfetzen wie „hätten wir uns denken können“, „hab ich ja gleich gewusst“, und „ Ötzis sollten skifahren statt segeln“ flogen hin und her. Offensichtlich hatte man drüben das Vesper beendet, denn jetzt wurden alle Positionslichter gesetzt und der Mann ,der sich jetzt im Bugkorb niederlies, hatte ganz sicher die heiß begehrte Stelle der Bordwache inne. Genau in dem Moment, als die Sonne endgültig unter der Kimm verschwand, setzte Musik ein. Der Zillertaler Hochzeitsmarsch auf Gitarre und Harmonika – mitten in Griechenland – in unserer Bucht! Wir versuchten „ARD“ abzuschalten und krochen in unsere Kojen, dank des Retsinas schliefen wir trotz des alpenländlichen Kulturprogramms auf dem Nachbarboot bald ein.

Aber lest einmal nach im Handbuch für Seemannschaft – genau so, und nicht anders ankert man in fremden unbekannten Gewässern, und bei Chartergästen ist doppelte Vorsicht geboten, da kann eine zusätzliche Landleine nix schaden, und Bordwache bleibt Bordwache!

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