Thailandreport – Segeln zwischen Longtailbooten und Kalksteinfelsen

Die Planung

Wir planen einen Thailandtörn

So, so sagen Kollegen…… und setzen ein merkwürdiges Grinsen auf.

Gefährlich, gefährlich sagen Bekannte…… und erinnern mich an die Riesenwelle.

Wann fragen Segelfreunde………

und plötzlich gibt es jede Menge Menschen die schon mal da waren, schon immer mal dahin wollten oder jemand kennen der sich da auskennt.

Natürlich gibt es Literatur, Reiseführer und Videoclips zu Thema. Im Internet findet man von der kleinsten Insel über die detailierte Geschichte der königlichen Familie bis zur Buchungsmöglichkeit für Hotels und Flugtickets jede Menge Wissenswertes über das Land. Doch wir wollen segeln gehen, ein Schiff chartern und unabhängig sein.

Im August? Da ist es hier auch warm, und wenn ihr weg wollt reicht doch die Adria, da haben die dort doch Monsun, Regenzeit, jetzt nach dem Tsunami, muss das denn sein?

Ja es muss sein, und ja es soll im August sein, auch wenn es hier warm und Thailand 13 Flugstunden entfernt ist, wir wollen das so!

Auf der Interboot in Friedrichshafen vertiefen und bestätigen die vielen bunten Fotos unsere Idee, wir konkretisieren unsere Pläne.
Das überzeugenste Angebot kommt von Scansail Yachtcharter, in Christian Eschenburg finden wir einen überaus kompetenten Ansprechpartner mit weit reichender Revierkenntnis. Trotzdem sind wir vorsichtig und holen mehrere Meinungen ein. Alle schwärmen von der Landschaft und dem azurblauen Wasser, ob es nun wirklich im August regnet und wenn ja, wie lang, weiß keiner genau zu sagen – doch nur von kurzer Dauer, aber sehr intensiv sollen die Regenfälle sein, da ist man sich einig.

Wir stellen das Regenthema hinten an und beruhigen uns damit, dass schließlich hierzulande im Januar auch noch keiner weiß  ob es im August regnet.

Bei näheren Eingrenzungen kristallisieren sich Koh Samui und Phuket als mögliche Reviere heraus, doch die Region Koh Samui ist wegen der Monsunzeit ein Revier von Spätherbst bis Frühjahr, weshalb es zu unserer geplanten Urlaubszeit überhaupt keine Bareboat-Yachten zu chartern gibt. Also Region Phuket – und  schließlich buchen wir bei Scansail,  wo wir von Anfang an  das beste Gefühl hatten.

Inzwischen sind wir bei Phase drei der Törnvorbereitung. Der Skipper hat die Seekarten und Tidenpläne der Region schon fast im Kopf, jetzt übt er die Schreibweise und vor allem die Aussprache der möglichen anzulaufenden Häfen und Buchten. Ja selbst die in diesem Seegebiet seltenen Einkaufsmöglichkeiten für den Proviant, haben wir dem Internet schon entnommen.

Die Crew ist komplett, die Pässe müssen bei Reiseantritt noch 6 Monate gültig sein und es wird für alle eine Hepatitisimpfung sowie die Auffrischung von Tetanus und Polio empfohlen.

Der Sommerflugplan ist gedruckt und damit die Zeit gekommen sich um günstige Flugtickets zu bemühen. Wir wollen einen Nonstopp Flug, weder einige Stunden Aufenthalt in den Vereinigten Emiraten um zwischendurch Schmuck zu kaufen, noch nachts von Domodjeschdo aus den Kreml besichtigen. Alles wird angeboten, wir wollen jedoch nur schnell zu unserem Schiff, das diesmal ein Kat sein wird. Nach x- Segeljahren auf „ordentlichen Yachten“ wird dieses Jahr das Boot mit zwei Kufen genauso eine neue Herausforderung sein, wie die Andamanische See als fernöstliches Segelrevier. Daran arbeiten wir gerade!

Dass wir schon Trockenmilch gekauft und Moskitonetze für die Luken vorbereitet hätten, entspricht nur wirklich nicht der Wahrheit, womöglich würde man uns dann für Perfektionisten halten, wo wir doch nur voller Abenteuerlust zur Monsunzeit im August nach Thailand zum Segeln gehen wollen!

Törnbericht      ………..und so war der Törn

Nach 12 Stunden Flugzeit Frankfurt Phuket, plus Umsteiger in Bangkok, erreichen wir die Sunsail Marina, Boot Lagoon in Phuket. Der Fahrer war pünktlich am Flughafen und half uns bei der Bewältigung unseres Segelgepäcks, die Anspannung der letzten Stunden fällt uns ab. Die bestellten Vorräte sind bereits an Bord unseres gecharterten Katamarans, Bootsübernahme, Einweisung, Übergabe des Kartenmaterials, alles klappt wie am Schnürchen, der Himmel ist blau und das Thermometer zeigt 36° – zweieinhalb Wochen Segeln in der Andamansee liegen vor uns.

Wir nutzen noch einmal den Sunsailbus und fahren damit zum Supermarkt, der etwa eine halbe Stunde außerhalb der Marina liegt, um unsere Einkaufsliste abzuarbeiten. Auf dem Marinagelände gibt es außer einer Bäckerei keine Einkaufsmöglichkeiten und die zwei Restaurants sind im Hinblick auf das ortsübliche Preis- Leistungsverhältnis nicht zu empfehlen.

Entsprechend der Tide können wir erst am anderen Morgen gegen 10 Uhr auslaufen. Der Basisleiter nimmt sich zusätzlich fast eine Stunde Zeit um Revierempfehlungen, betreffs der Tide, der Riffe oder einfach Sehenswertem mit uns durchzusprechen, dann geleitet er uns durch die Fahrrinne bis zum Ende des Brickenweges, und springt mit einem good luck von Bord ins Begleitboot, das ihn zur Marina zurück bringt. Wir haben unseren Törn gut vorbereitet und für den ersten Tag Ao Chalong südlich von Phuket als Ziel auserwählt. Wir gehen auf 170° und können Segel setzen, bei Ko Mai Ton gibt es am Nachmittag einen ersten Badestop. Blendend weiß leuchtet uns der Sandstrand entgegen, wir sind das einzige Boot weit und breit. Zum ersten Mal tauchen wir in den Ausläufern des indischen Ozeans unter und erfreuen uns an einer Wassertemperatur von 31°. Auf der Insel gibt es eine Hotelanlage mit Restaurant. Da im August hier Nebensaison ist, sind nur wenige Gäste zu sehen, doch ein Boy kommt und fragt nach ob wir bleiben wollen, dann würde man etwas arrangieren.
Wir wollen nicht, denn unser Tagesziel heißt Chalong Beach, das wir mit 5 kn speed hoch am Wind segelnd, nach insgesamt 22 sm und einem traumhaften ersten Segeltag erreichen.

In der Bucht schwojen dahinrostende Dauerlieger, Fischer und Boote von Tauchschulen, Urlauber sind in der Minderzahl. Ein hell erleuchteter, über 800m langer Anlegesteg ersetzt die Flaniermeile am Ufer, doch er wird hauptsächlich benötigt um bei Ebbe die breite Flachwasserzone zu überbrücken.
Bordbucheintrag 18 Uhr; Anker fest, Standort 07°49,05N / 098° 21,28E. Koordinaten die es in sich haben, denn die Quecksilbersäule zeigt noch immer 33° und bis wir zum Anleger übersetzen um für das Abendessen eine kleine landestypische Gaststätte zu suchen ist es dunkel.
Mit etwas Bauchschmerzen binden wir unser Schlauchboot neben einigen Anderen an den Steg und hoffen, dass kein Eigner der größtenteils etwas runtergekommenen Beiboote unseres in der Nacht bei der Rückfahrt „verwechselt“.
(Doch um es vorweg zu nehmen, derartige Bedenken haben sich im gesamten Revier als unnötig erwiesen!)
An Land gibt es zwei Bars, zwei gute einheimische Restaurants, und das Lighthouse, welches als Yachtclub und Seglertreff dient.
Wir haben Hunger und lassen uns vom erstbesten Wirt an der Uferpromenade einladen an seinen Tischen Platz zu nehmen.
Der Fisch, den er uns zeigt, schaut uns aus trüben Augen an, weshalb wir auf den „frisch Fang“ verzichten. Wir wählen Reisgerichte mit uns unbekannten Namen und wissen als die Teller kommen nicht wem welche Portion gehört bzw. was wir eigentlich bestellt haben.
So sammeln wir kulinarisch, optisch und mental unsere ersten Eindrücke von Thailand. Dazu gehören auch die einheimischen Toilettenanlagen die für uns unter die Rubrik „Erlebnis“ fallen und deren „fachgerechte“ Benutzung unklar blieb.

Unser nächstes Ansteuerungsziel ist die Perleninsel Koh Nakha Noi, wo wir uns via Internet für eine Besichtigung angemeldet haben. Der Monsun bläst direkt aus West und der Anlegesteg der Insel liegt für uns in Legerwallposition. Beim näheren Betrachten macht er ohnehin einen desolaten Eindruck. Im Handbuch ziemlich groß dargestellt, erweist er sich als nicht geeignet. Wir entscheiden uns lieber für eine der zwei Festmacherbojen und setzten mit dem Beiboot über.
Von Direktor Suchart, der uns alles zeigen wollte keine Spur. Ein Einheimischer der wohl die Pförtnerfunktion innehat steht plötzlich vor uns. Er versteht kein englisch, lässt uns aber, nachdem wir den Namen des Direktors mehrfach erwähnen, die Anlage auf eigene Faust erkunden. Ein paar Muscheln in verstaubten Vitrinen, leere Aufzuchtbecken und ein paar übrig gebliebene Arbeitsgeräte hier ist im Moment absolut nix los. Ganz sicher unterliegt auch Mister S. der thailändischen Mentalität, einfach niemals NEIN sagen zu können.
Gerade zum Schiff zurückgekehrt überfällt uns urplötzlich unser erster Monsun-Regenguss. Während die Wassermassen auf uns nieder prasseln, gönnen wir uns an der sicheren Boje eine Kaffeepause, und tatsächlich- eine halbe Stunde später ist der Spuk vorbei, es klart wieder auf.

Wir wollen auf der Ostseite von Koh Nakha Yai für die Nacht ankern und müssen etwas zurück um die Insel südlich zu umrunden, der kurze Weg zwischen den Inseln hindurch ist zu flach. Auf Nakha Yai sind drei Ausflugsboote gerade beim Ablegen. Ein Blick auf die Uhr bestätigt die Richtigkeit der Angaben im Reiseführer,….“16 Uhr kehren die Tagesausflügler zurück in ihre Hotels auf Phuket“. Wir finden es völlig okay, dass die sich so genau danach richten. Mit ihnen verebbt der Lärm der knatternden Longtailboote, zehn Minuten später gehört die Insel uns allein. Ganz allein wie wir bei einem Landgang feststellen, denn die angegebene Hotelanlage ist nach der Fertigstellung von einigen Bungalows wohl im zweiten Bauabschnitt stecken geblieben und gleicht einer Gespenstersiedlung, hier bekommen wir jedenfalls kein Abendessen. Die beschriebene Gaststätte etwas oberhalb der Bucht entpuppt sich als fest verschlossenes Privathaus. Wir greifen in die Vorratskiste und werfen den Grill an, dann ziehen wir uns in die Kojen zurück, denn mit Eintritt der Dunkelheit überfallen uns wieder heftige Regengüsse begleitet von wilden Böen. Die Nacht scheint schwärzer als Schwarz und uns quält die Frage ob der Monsun nicht doch auf Dauerregen umstellt, genug Unkenrufe und Warnungen von Segelkameraden hinsichtlich unserer Reisezeit hatte es ja gegeben.

Am Morgen stehen ein paar Cumuluswolken am ansonsten blauen Himmel und der kräftige Wind bläst unsere Bedenken schnell weg. Mit einem Reff im Groß und einer halbierten Genua segeln wir auf der Kurslinie von 5° Richtung Norden. Die Felsenhöhle von Ko Phanak ist unser nächstes Ziel, das wir bei durchschnittlich 25kn Wind viel schneller als geplant erreichen. Eine Felswand voller Stalaktiten in weiß, rötlich gelben oder braun-schwarzen Schattierungen erhebt sich vor uns aus dem Wasser. Die Kalksteinfelsen, geformt in Millionen von Jahren, durchzogen von Höhlen und Spalten, überwuchert vom Grün der wilden tropischen Vegetation, hätten unserer Meinung nach den Titel „Naturwunder“ verdient. Wir staunen und fotografieren, haben aber leider nicht genügend Zeit alles in uns aufzusaugen. Der Schwell vor der Felswand ist so erheblich, dass wir unseren Besichtigungsplan aufgeben, denn der Höhleneingang liegt nur noch einen halben Meter frei und wir haben erst in drei Stunden wieder ablaufendes Wasser.

Inzwischen sind wir soweit nördlich, dass die Tide zu dem nach Koh Taphao Noi (südlich von Phuket City) ausgerichteten Plan eine Stunde zeitversetzt ist. Der Wind bläst nun schon den dritten Tag statt aus der üblichen SW-Monsunrichtung, aus WNW. Erhöhte Anforderungen an den Skipper + Navigator, der die Entscheidung fällt nach Koh Hong weiter zu ziehen! Doch auch hier in der angeblich ruhigen östlichen Ankerbucht pfeift der Wind um die Felsformationen und lässt Düsen und Geschwell gegenläufig zum Tidenstrom entstehen, so dass wir unseres Ankers nicht sicher sind. Im Moment ist an ein genüssliches Baden oder gar Verlassen des Bootes nicht zu denken. Schließlich finden wir an der Südostseite von Ko Phanak ein ruhiges Plätzchen zum Ankern und Schwimmen. Wir genießen den Nachmittag, müssen aber wegen fallender Tide gegen 16 Uhr den Platz verlassen. Da die Inseln nur 2,5 sm auseinander sind, starten wir einen zweiten Versuch bei Koh Hong, denn diesen Hong (runder Krater im Kalkstein, von senkrechten Wänden umschlossen mit zahlreichen Stalaktiten verziert) wollen wir unbedingt besichtigen.

Dieses mal hält der Anker beim ersten Versuch. Ein Witzbild entsteht, denn unser Kat richtet sich nach der Tidenströmung aus, die entgegen dem Wind verläuft und eindeutig stärker ist. Die Bezeichnung „ruhiger Liegeplatz bei Westwind“ im Revierführer ist nicht nachvollziehbar, oder trifft nur bei Schwachwind zu.
Ein Kontrollposten kommt per Schiff und bittet zur Kasse, 200 Bath pro Kopf, (4.- €) für 4 Tage Aufenthalt, als Eintritt für das zum Nationalpark erklärte Gebiet. Ein minimaler Betrag den wir im Angesicht dieser Naturschönheiten gern bezahlen. Die Aufseher sind am Westende von Ko Yai stationiert und haben dort wohl das idyllischste Büro der Welt. Von Fischern kaufen wir frische Shrimps und eine wunderschöne blaue Krabbe für das Abendessen, die besonders delikat schmecken soll.
Mit einer Besichtigungsrunde des Hongs beginnen wir den nächsten Tag. Vorsichtig paddeln wir ein Stück in den Krater hinein, und bestaunen dann ehrfürchtig die steil aufragenden Felsen während die Fotoapparate klicken. Unter einem besonders schönen Zacken setzten wir die blaue Riffkrabbe ins flache Kiesbett zurück. Flugs wandert die 5.- € Delikatesse davon, für uns war sie nur Fotomodell, wir hatten gar nicht vor sie zu grillen.

In 2,5 sm, auf 360° liegt unser nächstes Ziel Koh Phing Kan, besser bekannt als James Bond Felsen, der als solcher natürlich in keinem Werbemagazin fehlt. Besucher aus aller Welt kommen dank offiziellen Ausflugsprogrammen täglich per Touristenboot zur Besichtigung. Dabei ist der berühmte Fels eigentlich nur ein kleiner freistehender ca. 80 m hoher Gesteinsblock nordwestlich der Insel. Eine Marketingangelegenheit!
Trotzdem – Entdeckerstolz, wir haben ihn gefunden, wir waren da, wir sind selbst hierher gesegelt, und auch in unseren Alben werden seine Fotos kleben. Am kleinen Strand der Bucht drängen sich Souvenir- und Getränkestände aneinander. Es gibt noch eine Höhle zu besichtigen und ein kaum 100 Meter langer Weg führt auf die andere Seite der Insel; Ausblicke durch Zweige und Felsspalten zur gegenüberliegenden Insel Ko Raya Ring, der Anlegesteg und eine weitere vom Wasser in Jahrhunderten liebevoll gestaltete Höhle, das Repertoire für Fotomotive ist unerschöpflich.

Da rund um die Felsgruppe Flachwasser ist, ankern wir etwas weiter südwestlich und mieten selbst ein Logtailboot an, das uns zum absolut nördlichsten Punkt unserer Reise bringt. Eine gute Stunde knattern wir damit über das schlammige, bei Ebbe während der Springzeit besonders flache Wasser. Wir unterqueren eine Felsenhöhle und amüsieren uns über die Schwimmwesten, die der Bootsführer verteilt. Im hüfthohen Wasser könnte man eigentlich laufen, doch als Schutz gegen das Spritzwasser, das bei der flotten lustigen Fahrt massenweise überkommt sind sie angenehm.

Schon von weitem leuchtet uns das goldene Kuppeldach der Moschee des Stelzendorfes Sea Gipsy Village auf Koh Pannyi entgegen. Teilweise auf sehr wackligen Pfählen stehen die Hütten der Fischer, die wie ein großes vorgelagertes Podest die Insel verlängern. An der Nordwestseite ganz am Ende des Dorfes erspähen wir ziemlich versteckt eine Wassertankstelle. Sie ist ganz sicher nicht für tiefgehende Charterboote angelegt, doch wenn man mit dem Diesel in Bedrängnis ist, kann man hier via Schlauchboot und Kanister Nachschub bekommen. Auf der Ostseite der Insel sind größere Anlegestege wovon einige direkt in ein Restaurant führen. Man ist auf Tagestouristen eingestellt die wegen der Gezeiten nur einige Stunden im Dorf zubringen können und dort meist ihr Mittagessen einnehmen. Wir dringen etwas weiter ins Innere der verwinkelten Brettergänge vor und finden eine Art Rathaus, Läden mehrere Garküchen und sogar eine Schule mit Sportplatz. Es wimmelt von Kindern die stolz ihre Schulkleidung tragen und für Fotos posieren. Die Klassenzimmer sind mit Holzfensterläden versehen und haben keine Scheiben, die Schulbänke sind alt und sicherlich von Generationen schon benutzt, aber in jedem Raum hängen neueste Breitwandfernseher, stehen DVD-Geräte und Computer die über freischwebende Elektroleitungen versorgt werden. Via Internet ist man mit der Welt verbunden. Für uns, alles krasse Gegensätze, doch lächelnde, stressfreie Kellner servieren im Restaurant schmackhafte Reis und Fischgerichte für 1.- 3. €. Vielleicht sollten wir unsere Lebensweise überdenken?
Auch hier weder Brot noch Butter und Wurstwaren, wir versorgen uns mit Obst, Gemüse und Eiern, dann bringt uns unser Longtaildriver zu unserem Kat zurück.

An Bord schmeißen wir den Herd an und backen unser eigenes Brot, froh über die Voraussicht genug Mehlmischungen mitgebracht zu haben. Reviervorbereitung ist eben nicht ausschließlich eine Frage der Seekarten und Tidenpläne. Für die Nacht verlegen wir den Kat an die Nordostküste von Ko Daeng Yai. Außer unserer keine andere Mastspitze weit und breit. Tropisch schnell wird es dunkel, über uns kreist ein Pärchen Weißkopfseeadler und das Geschrei der Gibbonaffen schallt von der Insel herüber, bis die Sonne versinkt. Wir genießen eine ruhige Nacht.

Vier Windstärken von achtern, bei schwacher Bewölkung und steten 33-36°, blasen uns quer durch die Phang Nga Bucht. Für die flache Durchfahrt zwischen Koh Chong Lat und Ko Ngam nehmen wir fürsorglich das Tuch runter und manövrieren langsam an den Pricken entlang. Mangrovenwälder, farbige Felswände mit Stalaktiten und Höhlen lassen uns Anker werfen und animieren zu einer romantischen Extratour per Schlauchboot, und einer kleinen Klettertour auf einen Fels. Beim Baden allerdings sollte man mit einer Schwimmleine vorsorgen, denn bei Mittelwasser hat es hier 3 bis 4 kn Strom, gegenan schwimmen zwecklos!
Beobachtung der Strömungen, ein absolutes Muß in der Phang Nga Bay vor einem beabsichtigten Bad. 

Unseren nächsten Stopp planen wir auf der Ostseite von Koh Yao Noi. Ein Felsgürtel ist der Bucht vorgelagert, aber am nördlichen Ende verläuft ein Sandstreifen, der den Eindruck einer natürlichen Slipanlage erweckt und prima Sandgrund zum Ankern bietet. Wir setzen über und treffen auf eine gepflegte Ferienanlage, wo wir uns ein feudales Abendessen für etwa 10.-€ pro Kopf genehmigen. Spontan fällt der Entschluss hier einen Ruhetag einzulegen. Wir beginnen ihn mit einer Massage im Wellnesscenter der Anlage und für den Nachmittag buchen wir über die Rezeption ein Tuk- Tuk für eine Inselrundfahrt. Die Preise sind Verhandlungssache und äußerst moderat. Nach unserer Erfahrung schauen die Guides nicht mehr auf die Uhr wenn sie spüren, dass man an Land und Leuten wahres Interesse hat und geben sich große Mühe etwas zu erklären. Wir bekommen einen Fahrer, der ein akzeptables Englisch spricht und geduldig unsere Fragen beantwortet. Er führt uns zu einer Gummiplantage und besucht mit uns einen Fischverkäufer der Krabben und ein uns unbekanntes, urzeitlichen Tier vorführt, das wie ein wandelnder Stahlhelm mit Schwanzstachel ausschaut. (Pfeilschwanzkrebs) Im Inselinnern von Koh Yao Noi fahren wir vorbei an Villen und armseligen Hütten, an mindestens drei Schulen und einem Krankenhaus. Wir sehen Reisfelder mit Wasserbüffeln, und ein Fischerdorf das bei Ebbe völlig trocken fällt. Im Ort gibt es gute Einkaufsmöglichkeiten. In der marktähnlichen Straße kann man vom Shampoo bis zum Angelzeug über Schuhe, T-shirts und Kochtöpfe alles sehr günstig kaufen, sogar Brot und Brötchen sind zu haben. Es gibt eine Apotheke und gleich mehrere Internetcafes und Bankomaten. Butter oder Bootsersatzteile finden wir dagegen nirgends. Am Abend speisen wir noch einmal im Ko Yai Island Resort und nutzen die Schaukeln und Hängematten im Schatten der Palmen. Die Anlage ist geeignet für Honeymoon Träume, doch über das Alter sind wir raus, deshalb verlassen wir mit dem nächsten günstigen Tidenstand die Bucht. Noch viele Inselchen warten auf unsere Eroberung!

Die Nächste davon hätte eigentlich Ko Ku Du Yai sein sollen, doch ebenso wie bei Ko Roi vereiteln Strömung, Wind und Schlick unsere Ankerversuche. Wir kommen überein diese Felsnasen einfach auszulassen, den Wind zum Segeln zu nutzen und gleich unser nächstes Ziel, die Heaven Marina anzulaufen. Über Google Earth hat unser Skipper ein genaues Foto der Steganlagen ausgedruckt. Uns erwarten freie Liegeplätze, Landstrom und Wasser sowie gepflegte WC- und Duschanlagen. Laut Andaman Sea Pilot gibt es hier wegen des unter der Festlandbrücke einströmenden Wassers bei Westwind mitunter bis zu 6kn Strömung, die man bei Anlegemanövern rechtzeitig einkalkulieren muss.

Obwohl wir mit unserem Törn nach der ersten Woche mehr als zufrieden sind, beenden wir den Tag tränenreich im nahe gelegenen Hafenrestaurant; Ursache – die lecker aussehenden Gerichte, die so thailändisch gewürzt sind dass uns die Luft wegbleibt und das Wasser aus den Augen läuft. Wir planen wieder einen „Landtag“. Wir sind vom Indischen Ozean nur 1sm entfernt bzw. vom Festland durch den Chong Pak Phra Channel getrennt. Beides wollen wir kennen lernen. Der Kanal ist jedoch nicht nur wegen der Wassertiefe sondern auch wegen der beiden Brücken die ihn überspannen nicht schiffbar, sonst wäre ein Umrunden Phukets sicherlich eine interessante Törnvariante.

Die Marinamitarbeiter sind uns behilflich einen Guide mit Kleinbus zu organisieren. 3000 Bt. für 4 ½ Stunden (10.- € pro Kopf) war die Order, dafür fährt er wohin wir wollen, und hält, wann und wo wir möchten.
Ohne Aufpreis werden letztendlich fast 6 Stunden daraus, inklusive Mittagessen und Einkaufsstopp in einem Supermarkt. Wir fahren durch enge Gassen mit Garküchen und Verkaufsständen Richtung Kao Lak, machen Fotos von der Festlandbrücke, der Küstenstraße und vorbeitrabenden Arbeitselefanten. Der optische Eindruck des Linksverkehrs ist besonders in den vielen S- Kurven erschreckend. Zweisprachige Hinweisschilder zu Hotels, Wasserfällen, Aussichtspunkten oder Nationalparkrevieren bezeugen dass die Gegend touristisch gut erschlossen ist und vielseitige Möglichkeiten bietet. In Kao Lak stoppt unser Fahrer vor einem ca. 25m langen Polizeiboot, das vor einem Hügel mitten auf der Wiese liegt. In holprigem Englisch erklärt er uns, dass es vom Tsunami hierher geschleudert wurde und dass der Ozean etwa 2sm entfernt ist. Dann fährt er mit uns zum Ufer wo in den Wellen Kinder spielen und wir bekommen eine Gänsehaut bei dem Gedanken, wie es wohl wäre, wenn just in diesem Moment so eine Welle käme. Von der Kellnerin im Restaurant erfahren wir wie sie die Riesenwelle an Weihnachten 2004 erlebt hat. Sie erzählt wie sie auf den Ozean schaute und sich wunderte wohin das Wasser verschwindet, und wie sie dann diesen kleinen weißen Streifen sah, der sich wenige Minuten später als Monsterwelle entpuppte. Sie hätte auch das Polizeiboot gesehen, das hinausgefahren sei einem Fischer zu helfen, erst trockengefallen sei und dann eben von der Welle weggeschleudert worden wäre. Doch zu diesem Zeitpunkt sei am Ufer schon Panik ausgebrochen und alle wären durcheinander gerannt. Sie habe ihren Sohn an die Hand genommen und sei ebenfalls gelaufen; das Wasser habe sie auseinander gerissen und mit der Hand auf dem Herz beteuert sie dann ihre Freude und ihre Dankbarkeit darüber, dass sie ihren Sohn wenige Minuten später gesund wieder gefunden habe. Die Schäden in Kao Lak wären schnell repariert worden, weiter nördlich wäre es viel schlimmer gewesen.
Auf weitere Nachfragen erfahren wir, dass sie niemals zuvor weder im Bekanntenkreis noch in der Schule oder im TV von solchen Naturphänomenen gehört hätte. Inzwischen wären Sirenen installiert worden die 1 Stunde vorher warnen sollen und Evakuierungspläne- und Wege seien besprochen worden. Leise fügt sie hinzu, „nun weiß jeder Bescheid, aber für viele war es zu spät.“
Vom Abend bis spät in die Nacht findet im Dorf hinter unserer Marina ein Fest zu Ehren des Geburtstages der Königin Sirikit statt, doch keiner von uns hat Lust zum Feiern.

Am nächsten Morgen segeln wir zunächst mit 145° gen Süden. Wir umrunden die Südspitze von Ko Yao Yai, legen einen Badestop bei Laem Tukon ein, gehen auf 28° und ankern zur Nacht wieder etwas nördlicher bei Ko Hong Krabi. Während das Wasser abläuft, schaffen wir es kurz vorm Dunkelwerden den großen Hong zu besichtigen. Menschenzwerge zwischen Felsenriesen, im Flachwasser Unmengen von Seesternen, Krabben, Schnecken und Würmern. Einen dicker Kofferfisch schaut uns an und gerät in Panik, weil wir ihm den Weg ins offene Wasser versperren, schnell ein Foto, dann darf er raus schwimmen. An den Mangrovenwurzeln ist der Gezeitenunterschied des Wasserspiegels deutlich erkennbar, undurchdringlich das Wurzelwerk! Erstaunlich wie schnell die Wassermenge aus so einer riesigen Badewanne verschwindet, und wer wie wir, die Zeit damit vertrödelt, Seesterne auf den Bauch zu drehen und zuzuschauen wie sie sich wieder umwenden der muss eben sein Schlauchboot dem Wasser hinterher tragen wenn er zum Boot zurück will.
Spagetti, Singha Bier und ein kurzer Regenguss beenden den Tag. Nach einem Frühstück mit selbstgebackenen frischen Brötchen schippern wir zur Rangerstation, die zwischen dem alles überwucherndem Grün auf der Südwestseite der Insel liegt und vom Meer her kaum auszumachen ist. Noch weiter im Innern verbergen sich feste Häuser für das Personal. Ein Generator übertönt die Stimmen des Urwalds und liefert Strom für die gesamte Anlage. Die Station ist Anlaufpunkt für Touristenboote, man kann Kanus und Surfbretter ausleihen und das Beachrestaurant ist auf Mittagsgäste eingestellt. Plötzlich gibt es mal wieder eine warme Dusche von oben, die wir zum Deckschrubben nutzen. Die Felswand neben uns verschwindet im Grau des fliegenden Wassers eine Böe fegt uns die Sitzkissen von Bord, die wir schwimmend einsammeln. Eine halbe Stunde Weltuntergangsstimmung, dann stellt unser Urlaubsregisseur das Bühnenbild zurück auf blauen Himmel. Leider scheint nun auch der Windakku leer. Motorend umrunden wir Laem Nang und machen in der Ao Nam Mao Bucht an einer Boje fest. Zum Dinner gibt es frischen Grillfisch in einem der zahllosen Strandrestaurants.
Am gesamten Ufer eine bunte Welt aus Bars, Diskotheken, Massagesalons, Tauch und Freeclimber- Schulen, Läden- und Souvenirshops, Hotels und Internetcafes eng ineinander geschachtelt, teilweise auf Pfähle gebaut. In drei Läden erstehen wir 2 Toastbrote und Getränke, auf Butter und Wurstwaren müssen wir weiterhin verzichten.

Mit dem Beiboot sollte man zum Anlegen die linke Buchtseite bevorzugen, dort gibt es Sandstrand und ein etwas steiler abfallendes Ufer das nicht so breit trocken fällt.
In der Nacht blasen uns 40 kn Wind um die Ohren, was zur Folge hat, dass eins der beiden Taue, an denen unserer Festmacherboje verankert ist, reist. Die Bordwache reagiert sofort, wir machen uns los, ankern in Buchtmitte und ziehen aus der Aktion die Lehre unbekannten Bojen nicht zu trauen.

Am Morgen wieder strahlend blauer Himmel, der Wind hat auf 15kn reduziert. Via Longtail fahren wir nach Krabi. Guide und Auto für einen Rundtrip kann man direkt an der Anlegestelle chartern. Wir lassen uns zum Höhlenkloster Wat Tham Sua bringen und zwei von unserer Crew wagen, trotz Schwüle und 36°, den Aufstieg über die 1237 steilen Stufen zum Buddha auf dem Berg, während die anderen die Tempelanlage der Tigerhöhle besichtigen. Es folgt eine Stadtrundfahrt mit Marktbesuch und Einkaufsbummel. In Krabi quirlt das Leben und der Verkehr. Am Abend wissen wir die ruhige Urlaubsatmosphäre auf unserem Kat neu zu schätzen.
Mit einem Spaziergang vom linken Ende der Ao Nam Mao Bucht aus zur Railey Beach West beenden wir unseren Besuch auf dieser wunderschönen Halbinsel. Ein Plattenweg führt unter Tropfsteinen und Urwaldgrün hindurch auf die andere Inselseite wo, eine sehenswerte Fruchtbarkeitshöhle liegen soll. Jeder Meter des Weges geeignet für Postkartenmotive! Dann lichtet sich das Grün und gibt den Blick über die Bucht frei, blaugrünes Wasser, eine langer weißer Sandstrand und Felsen die zu einem Bühnenbild zu gehören scheinen, bis auf den fehlenden Apfelbaum kommt das Fleckchen Erde unserer Vorstellung vom Paradies ziemlich nahe. In der Fruchtbarkeitshöhle jedoch herrscht Chaos. Am Eingang steht ein dicker Phallus und ein Altar mit ähnlichen Symbolen geschmückt. Schätzungsweise 200 andere Phalli aus verschiedenen Hölzern und unterschiedlicher Farbe und Gestalt liegen daneben achtlos auf einem Haufen. Spaßeshalber suchen wir zwei schöne Exemplare aus und graben sie im Sand ein. Andere Touristen folgen mehr oder weniger verschämt unserer Idee, doch wir können nicht bleiben, bis sich die Höhle im Selbstlauf neu gestaltet hat.

Kurs 195°, Ziel NO- Küste Ko Phi Phi Don wo wir am späten Nachmittag (selbstverständlich außerhalb des Riffs das dem Holiday Inn Resort vorgelagert ist,) vor Anker gehen. Das Wasser ist hier klarer und blauer als weiter nördlich. Beim Schnorcheln finden wir Riesenmuscheln, Seeanemonen und Korallen in grün / blau violetten Tönen die zu blühen scheinen. Im Dunkeln erobern wir den Strand und besichtigen die exklusiven Hotelanlagen, nix für Segler ein Bierchen auf dem Plastikstuhl am Strandkiosk tut`s auch.
Für die Ton Sai Bay auf der Südostseite haben wir wieder zwei Tage eingeplant. Wir ankern im Windschatten der westlichen Felswand und legen zur Sicherheit den Zweitanker aus, der Schrecken mit der gerissenen Bojenleine sitzt tief. Zeit für einen Streifzug über den schmalen Landstreifen.Während auf der rechten Seite ein neuer Hotelkomplex mit gelber Fassade mitder Sonne um die Wette strahlt, sind an einem weiter westlich gelegenem Hotel die Reparaturarbeiten noch im Gange. Spuren des Tsunami sind am Mauerwerk und den stehen gebliebenen Gebäudeteilen noch deutlich zu erkennen. Noch immer hängen zertrümmerte Lampen an den Decken, fehlen ganze Platten im Fußbodenmosaik und in der Wand mit den verbogenen Hotelschließfächern stecken Postkarten die Niemand mehr lesen wird. Auch die Palmen der Umgebung sind stumme Zeugen der Naturkatastrophe. In der Hauptstrasse Ton Sai Village dagegen herrscht reges Treiben, längst ist der Alltag zurückgekehrt. Obwohl hier keine Hochsaison ist, wimmelt es überall von Strandurlaubern und Rucksacktouristen. Fähren und Versorgungsschiffe drängen sich am einzigen Anlegesteg der Insel. Es gibt keine Autos, sämtliche Waren, Lebensmittel und alles was in der Bucht benötigt wird, wird vom Kai aus in Handkarren verpackt und per Muskelkraft durch die Gassen zum Bestimmungsort geschoben. Bankomaten, Internet- und Fotoservice, Massagestuben, Souvenirstände und Reisebüros an jeder Ecke. Die Preise sind etwas höher als auf den anderen Inseln. Auch hier die inzwischen bekannte Marktlücke bei Butter und Brot, Fehlanzeige leider auch hinsichtlich Diesel und Trinkwasser für die Tanks. Wir erstehen ein paar T-Shirts und andere Kleinigkeiten und essen dann sehr landestypisch in einem kleinen Restaurant für 2.- € pro Kopf. Als wir wieder zum Boot übersetzen, entdecken wir einen weiteren Kat mit dem Namen Windpocke und einer amtlichen Registrierung in Karlsruhe.
Ein fröhliches `Grüß Gott` auf den Lippen schippern wir neugierig näher, und werden prompt an Bord eingeladen. Rene` und Martina sind eigentlich aus Pforzheim, Weltumsegler, seit 6 ½ Jahren von Spanien aus über die Westroute unterwegs, und nun schon ein Jahr in Thailand. Sie haben hier ihr Boot überholen lassen. „Ein neues Biminitop, eine umlaufende Edelstahlreling und eine Neulackierung sämtlicher Kunststoffflächen, zum Gesamtpreis von 14 000 DM“, ist doch ein super Preis strahlt Rene`. „Also 7000 €“ lächelt Martina, und erklärt sie hätten die Umstellung ja nicht miterlebt, und dann fügt sie noch hinzu, dass ihr Rene´ aber während der Umbauarbeiten ständig vor Ort war, weil es sonst weder mit der Zeitplanung noch mit der Qualität klappt. Ein bisschen Kontrolle muss sein, bestätigt auch Rene´, aber ansonsten könne er Reparaturarbeiten in Thailand nur empfehlen.
Den zweiten Vormittag mit seinen niedrigen 28° Morgenfrische nutzen wir für die Wanderung zum „Viewpoint“ der etwa 200m hoch liegt und einen herrlichen Panoramablick bietet. Am Nachmittag gibts einen Longtailausflug nach Koh Phi Phi Lee wo wir auf den Spuren von Leonardo DiCaprio wandeln. Unser Guide zeigt uns die Stelle wo angeblich Filmausschnitte von „The Beach“ gedreht wurden sein sollen. Wir bannen das Motiv auf unseren Digi chip, doch wer den Film gesehen und die Bilder noch im Kopf hat, weiß sofort, dass hier mehrere Buchten zu kunstvollen Filmschnitten verarbeitet wurden.
Macht Nichts! Im glasklaren Wasser kann man Korallen, Fische und Seeigel vom Boot aus beobachten und im Hong Pileh, wo schon mehrere andere Longtails liegen, schnorcheln die Gäste im brusttiefen Wasser. An der Wikingerhöhle schippern wir vorbei, denn es ist Flut und warten dauert zu lang, man müsste viel mehr Urlaub haben……
Am Abend treffen wir Rene´ und Martina in der Tonsai Bar wieder, dem wohl besten Restaurant am Ort. Abendrot und Sternenhimmel, Discomusik und Feuerschluckershows in den Strandbars, für uns fast ein bisschen Rummel zuviel. „Januar, Dezember, Saison – noch viel lustiger“, sagt ein Kellner- und wir sind froh dass es August ist!

Die Weltumsegler wollen weiter in die Heaven Marina zum Tanken
und auch unsere Treibstoffanzeige steht auf Reserve. Noch vier Törntage, was bei den kräftigen Winden aus West und unserem Koordinatenstand möglicherweise gegenan Kreuzen oder eben motoren heißt.
Um kein Rückfahrtsrisiko einzugehen beschließen wir die südlicher gelegenen Inseln Ko Racha Noi und Koh Racha Yai auszulassen und segeln weiter nach Koh Hi Mae, besser bekannt als Coral Island. Wir wagen es wieder eine Festmacherboje zu benutzen. Während die Einen ausgiebig schnorcheln befassen sich die Hobbymonteure an Bord mit einem gerissenen Keilriemen. Zum Glück ist die Sunsail – Werkzeugkiste gut bestückt und auch ein passender Ersatzriemen da. Auf den Inseln etwas Derartiges aufzutreiben wäre sicher nicht möglich gewesen.
Vom Artenreichtum der bunten und sehr zutraulichen Fische, die uns Brötchen aus der Hand fressen, sind wir begeistert, ein Flötenfisch schwimmt misstrauisch neben uns her und schaut uns aus großen Augen an. Der Meeresgrund ist mit Korallenbruch übersät, der sich wohl auch auf die Riesenwelle zurückführen lässt. Leder- Geweih- und Tischkorallen, von denen einige weiß- oder lila zu blühen scheinen, prägen die Unterwasserlandschaft und werden von Fischen umschwärmt. Wir ergänzen unsere Fotoserie mit unzähligen Unterwasseraufnahmen von Riffbarschen, Snappern, Falter- und Clouwnfischen. Die Lippfische, Papageienfische und Anemonenfische können wir erst nach Stöbern im Riffführer benennen. Am Ufer erstreckt sich die Bungalowanlage des Coral Island Resorts, wo wir bei Kerzenschein ein vorzügliches Abendessen unter freiem Himmel genießen.
9 Uhr am anderen Morgen verliert die Bucht jeglichen Zauber, scharenweise kommen vom Festland die Ausflugsboote, jedes mit mindestens 400 PS und 20 Gästen bestückt. Eine halbe Stunde später quirlen Parasailer, Bananaboots und andere Wassersportderivate das Wasser durcheinander und lassen unsere Kaffeetassen überschwappen. Wir legen ab. Mit achterlichem Wind segeln wir die Ostküste Phukets entlang, die GPS Satelliten scheinen heut Urlaub zu haben, doch Sichtnavigation ist zum Glück kein Problem. Im günstigen Windkurs liegt Kai Nok wo wir für den Nachmittag einen Ankerplatz an der NW- Seite wählen. Leider hat auch diese Insel trotz Nebensaison viermal mehr Besucher als Quadratmeter; und wir entsprechend unserer Route keine Alternative mehr. So mischen wir uns unter die meist japanischen Tagesgäste und genießen unseren letzten Segeltag so gut es geht. Im klaren Wasser entdecken wir hier sogar vereinzelt rote Korallen. Witziger Weise ist es die einzige Insel wo es Brot zu kaufen gibt die Kinder füttern damit im knietiefen Wasser die Fische!

Als letzten nächtlichen Liegeplatz steuern wir die Ostseite von Koh Rang Yai an, doch ein riesiges `Welcome` Schild stoppt unsere Fahrt bereits vor dem westlichen Sandstrand mit Palmenkulisse. An Land staunen wir nicht schlecht, als ein Wegweiser mit mehreren Schildern bestückt, einen Perlenshop, eine Bar und einen Golfplatz ausweist. Visa und Mastercard okay, aber Radfahren verboten; der Lacher des Tages. Während die Golflöcher etwas überwuchert sind, entpuppen sich die Verkäuferinnen im Perlenshop als gut informiert und verkaufstüchtig. Was wir auf Koh Naka Noi nicht vorfanden, wird uns hier bereitwillig erklärt. Zwei Samtbeutelchen mit glänzendem Inhalt wechseln den Besitzer und anschließend wir die Inselseite zwecks Nachtruhe.
Wir verzehren die Reste im Kühlschrank und unser letztes selbstgebackenes „Bauernbrot“. Da der Rotwein in Thailand doch relativ teuer ist, nehmen wir als Sundowner Fruchtsaft mit Mekon; dem einheimischen Reisschnaps. Rot versinkt die Sonne im Ozean und über uns wird das Sternbild des Skorpion komplett sichtbar, von dem wir um diese Zeit in Süddeutschland nur die oberen drei Sterne am Horizont sehen. Die letzte Nacht in diesem herrlichen Revier, am nächsten Tag mit dem Mittagshochwasser müssen wir in die Marina Phuket einlaufen.

Entgegen allen Skeptikern die uns vor der Sommer – Monsunzeit warnten, war es ein traumhafter Törn, in einer wunderschönen, abwechslungsreichen Gegend mit vielen Möglichkeiten. Etwas windiger und nicht so heiß, – zum Segeln scheint uns der August genau der richtige Monat zu sein. Stürmische Nächte mit „unüblichen“ Windrichtungen gibt es in jedem Revier der Welt, und ein Regenguss ist bei 36° eher eine Abwechslung als ein Ärgernis.
Im Angesicht der untergehenden Sonne diskutieren wir darüber, ob wir nun die Railay Beach West, Coral Island oder Koh Yao Noi zur „schönsten Bucht“ wählen sollen und es gibt erste Überlegungen noch einmal wiederzukommen um die „restlichen“ Inseln erkunden zu können.
Einigkeit herrscht darüber, dass der Skipper in diesem Revier sattelfestes, anwendungsbereites Wissen über die Zusammenhänge von Tide, Springzeit, Nippzeit und Strömung haben muß, denn in der Springzeit beträgt die Differenz zwischen HW (High Water) und LW (Low Water) über  3,80 Meter, in der Nippzeit jedoch nur ca. 80 cm und wer zu spät kommt, den bestraft das Leben auch beim Segeln!


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2010 Sailing in Arctic Norway

Segeltörn zwischen 69. und 71. Breitengrad Nord

Für einen Urlaubstörn eher seltene Koordinaten; wir bewegen uns zwischen 400 und 700 km nördlich des Polarkreises und sind auf gleichem Breitengrad wie Wainwright in Alaska, Uuhrmannaq in Grönland oder Kjusjur in Nordsibirien. Ausgangspunkt unseres Törns ist Tromsø in Nordnorwegen, von wo aus wir das Nordkap ansteuern wollen.

Erste Hürde ist ein passendes Boot zu finden, denn Charterbasen gibt es fast ausschließlich nur in Südnorwegen. Nach mehreren erfolglosen Internetanfragen meldet sich schließlich die spanische Agentur „Yacht Charter Connection“, deren „connections“ tatsächlich bis Nordnorwegen reichen und die uns an Ivar von Boreal Yachting in Tromsø vermittelt. Ivar hat zwei, seit diesem Sommer sogar 5 Boote im Angebot. Gewusst wo! Wir buchen für uns vier sein Kleinstes, eine Gib Sea 37. Ivar, organisiert auf Wunsch noch 2 Vorab – Nächte in einem netten Hotel für uns, holt uns am Flughafen ab, hilft beim Gepäcktransport, macht auf dem Weg zum Hotel noch eine kleine Stadtrundfahrt mit uns, nimmt sich am Abend noch gut 2 Stunden Zeit, um uns an Hand von Karten Revierinformationen zu geben und spielt 2 Tage später nochmal Chauffeur vom Hotel zum Boot. Der erste Eindruck ist entsprechend positiv und verstärkt sich weiter, als wir an Bord unserer, in jeder Hinsicht gut ausgerüsteten, „ÓCEANE“gehen. 8 Jahre alt, aber sehr guter Zustand, wohnliche Details, ordentliches Werkzeug, Verbandskasten und Medikamente, reichlich Kartenmaterial, Radar und Plotter, Kochgeschirr, Erstausrüstung vom Gewürz bis zum Toilettenpapier.

Doch die ersten beiden Tage verbringen wir, wie geplant, im Hotel in Tromsø und haben Glück es bei blauen Himmel und sommerlichen 14 Grad kennen zu lernen. Zum Pflichtprogramm gehört natürlich der Gang über die Verbindungsbrücke zum Festland, mit Besichtigung der Eismeerkathedrale, eine Fahrt mit der Seilbahn auf den Fjelshusen, den Hausberg Tromsøs, von wo wir einen super Rundblick genießen, ein Bummel über den Markt und durch die kleinen Gassen mit ihren bunten Häusern, sowie ein Spaziergang am Kai entlang zum Polarmuseum, auf dessen Rückweg wir bei der nördlichsten Brauerei der Welt eine Mack- Biersorten Verkostung vornehmen. Tromsø hat mehrere Häfen, die Boreal –Schiffe liegen westlich der Inselstadt in Eidkjosen, praktischerweise ist 300m entfernt ein großes Einkaufszentrum.

Wir starten unseren Törn gen Norden, unterqueren die Verbindungsbrücke nach Kvaloysletta und haben auch heute herrliches Sommerwetter, d.h. wir sitzen im Ölzeug mit geschlossenen Kragen bei 14 Grad an Deck und freuen uns über klaren Himmel und gute Sichtverhältnisse. Sommer in Nordnorwegen, das kann man sich am besten vorstellen, wenn man z. B. jeweils den Tag der Eisernen – Dezemberregatta am Bodensee der letzten 14 Jahre aneinander reiht. Im Durchschnitt 8-14°C, mittags für 3 Stunden an windgeschützten Stellen in der Sonne auch mal 20-24 Grad. Schnell wechselndes Wetter mit Nebelfeldern oder Starkwind und eiskalten Regenschauern die auch Schneeflocken mitbringen können und unterm Kiel permanente 8 Grad. Auffallend anders sind die Nächte, die eigentlich gar keine sind, denn die Sonne geht z. B. am 1. August um 2.49 Uhr auf und erst um 22.51 Uhr unter, das verschiebt sich tgl. um 6 Minuten, dazwischen liegt nur eine Dämmerungsphase, rosa Wölkchenromantik ersetzt das Nachtschlagfeeling! Redewendungen erhalten einen neuen Sinn, wer hier verspricht zurück zu kommen, sobald es dunkel wird, kommt u. U. erst Monate später wieder! Wir schrubben deshalb gleich am ersten Tag auf unserem Weg gen Norden 52 sm weg, leider alles unter Motor, denn windtechnisch geht gar nix. Zwischen Grottsundet und Ullsfjorden begegnen wir den ersten Papageitauchern und amüsieren uns über ihre flinken Tauchgänge. Vor dem Hintergrund der Gebirgskette um den Gammvikblaisen schießen wir traumhafte Fotos, während uns Schweinswale umkreisen. Die erste Nacht verbringen wir (für 6 € Liegegebühr) in Skervoy, einem Fischerhafen mit Fischfabrik und Gästesteg. Es gibt ein Clubhaus, das Duschen und sogar eine Waschmaschine mit Trockner bietet. Mit Tankstelle, Supermarkt und Schnellimbiss ein guter Platz, zum Beispiel für Anne und Paul aus Canada, die mit ihrer Yacht gerade aus Spitzbergen kommen und hier „nachladen“;ansonsten nicht unbedingt ein sehenswürdiger Ort.

Unser zweiter Urlaubstag beschert uns Nebel, Regen, heftigen Nordwind und ein aufgewühltes Wellenmeer. Nach 13 sm verkriechen wir uns in Seglvik auf der Halbinsel Stoltind. Im Minihafen, der eigentlich nur ein paar Bojen und zwei Stege für Fischer und Besucher der Nachbarinsel hat, wollen wir kurz abwettern, doch zwei Einwohner durchkreuzen unsere Pläne. Sie turnen neugierig um die Yacht die der heftige Nordwind hier rein getrieben hat und der Abend endet mit interkulturellen Gesprächen bei Bier und Rotwein in ihrem Häuschen hinter der Mole. Am nächsten Morgen legen wir dafür schon um sechs Uhr ab, segeln 3 Stunden auf 28 Grad durch den Leisund, gehen dann auf 142 Grad durch den Sandlandsfjord und sind außer zwei Fischkuttern und einer Inselfähre auch am Nachmittag die Einzigen die sich am Panorama des Bergsfjorden und des Stjernsundet erfreuen. Statt dem sonst üblichen Badestopp gibt es eine Kaffee- und Angelpause. Angel rein- Fisch raus so funktioniert das in Norwegen auch für völlig Unerfahrene. In einer halben Stunde genügend Fischvorrat für drei Mahlzeiten! Am späten Abend laufen wir auf Vorwindkurs mit 7 kn durch den Altafjord gen Alta.

Da auch für die nächsten drei Tage 7-8 Bft. aus Nord- Nordost gemeldet sind, was für uns ein Gegenankreuzen auf rund 160 sm bis zum Nordkap, und demzufolge hin- und zurück 4 bis 5 Urlaubstage bedeuten würde, beschließen wir „Plan B“ in die Tat umzusetzen. Wir organisieren uns einen Mietwagen und folgen der E 6, bis zum Nordkap, one way 240 km Landweg. Eine super Idee, wie sich im Nachhinein herausstellt, denn im Alta Revier regnet es fast den ganzen Tag, während wir schönstes Wetter haben und gleichzeitig ein Stück Inland sehen. Die E 6 ist eine kurvenreiche Landstraße die sich ufernah um die Fjorde schlängelt oder langen Flussläufen folgt. Das Spannendste an ihr sind aber die Rentiere der Gegend, die sie als Wanderpfad nutzen. Sie tauchen urplötzlich aus dem Gebüsch oder hinter einer Kurve auf, stehen mitten auf der Straße oder traben ein Stück neben dem Auto her.

Durch den Nordkaptunnel erreichen wir Mageroya (magere Insel) und machen dort zunächst einen kurzen Stopp in Honningsvaeg, wo gerade ein Hurtigrutenschiff am Pier liegt und massenweise Passagiere ausspuckt. Sie werden von hier per Bus zu Europas berühmtesten Aussichtsfelsen transportiert. Wir beeilen uns um vor ihnen da zu sein. Eine gute halbe Stunde und ein paar Serpentinen später, mitten auf dem Hochplateau ein Schlagbaum. Raubgierige 30 € (pro Kopf!) kostet der Zugang zu den Nordkaphallen und zur Aussichtsplattform mit dem stilisierten Metallglobus, den man willkürlich zum nördlichsten Punkt Europas gemacht hat. Was viele nicht wissen, allein auf der Insel Mageroya reicht eine westlich des Nordkaps liegende Landzunge, mit dem Namen Knivskjellodden, 1380 Meter weiter nördlich. Noch weniger Abstand zum Nordpol, hat die Landzunge Kinnaroden, 80 km weiter östlich auf der Festlandshalbinsel Nordkinn, die weniger bekannt und touristisch nicht erschlossen – als nördlichster Punkt des europäischen Festlandes gilt. Das Glück ist mit uns, bei zugigen 6° genießen wir einen traumhaft klaren Rundblick, den es hier nur wenige Tage im Jahr gibt. Auf die Mitternachts – Sonnenshow am Horizont warten wir aber nicht, sondern beschließen auf der Rückfahrt noch einen Abstecher nach Hammerfest zu machen und den Ort mit „abzuhaken“.

Die 140km sind noch drin, es ist ja lange hell und dann passen wir unsere geplante Route eben an. Gesagt getan, es geht über die Kvalsundbrücke und dann südwestlich am Ufer entlang bis Hammerfest. Hier geht die Sonne vom 19.Mai – 26 Juli nie unter, dafür ist vom 22.11. – 21.1. totale Winternacht. Schon 1891 bekam Hammerfest deshalb als eine der ersten Städte elektrische Straßenbeleuchtung. Für die Expeditionen des Fridtjof Nansen mit seiner „Fram“ war Hammerfest Starthafen. Im 2. Weltkrieg wurde die Stadt von deutschen Truppen überfallen und diente als Basis um den russischen Nachschub Richtung Westen zu unterbinden. Gegen Ende des Krieges zerstörten die Deutschen die Stadt fast völlig – wie viele andere norwegische Städte übrigens auch – nur damit diese den nachrückenden russischen Truppen nicht in die Hände fallen sollten. Heute säumen quadratische Nachkriegsbauten die Haupt- und Einkaufsstraßen von Hammerfest, die bis Mitte der 90ziger Jahre die nördlichste Stadt der Welt war.Für Segler ist Hammerfest immer noch ein guter Versorgungsort, die von weitem sichtbare Erdgasverflüssigungsanlage auf der Insel Melkoya ein guter Ansteuerungspunkt.

Inzwischen ist es 21 Uhr und die untergehende Sonne (heute für rund 2 Stunden) färbt die Stadt und die vorgelagerten Inseln märchenhaft rot- gold ein.Wir haben heute so viel aufgenommen, und würden gern hier bei einem Gläschen Wein ein bisschen sitzen und verweilen, doch wir haben noch 180 km Rückweg um die Fjorde bis zum Schiff, weshalb wir uns losreißen. Ziemlich geschafft sitzen wir gegen 23 Uhr wieder im Cockpit. Wein gibt`s keinen, doch wir sind uns einig, dass der Landausflug (insgesamt 640km) die absolut richtige Entscheidung war. Die Seemeilen gegen an hätten einfach zu viel Zeit gekostet. Das Abendrot steht noch immer am Himmel und wir sinnieren vor uns hin und suchen Vergleiche zu anderen Törns: zum überlaufenen Italien, wo man ab 14 Uhr kaum noch Liegeplätze bekommt, zu Thailand wo wir bei steten 34° schwitzen oder nochmal ins Wasser springen würden, oder zu Kroatien mit seinen kleinen Gaunereien und Wucherpreisen. Was wir da für 2 Tage in einer Marina bezahlt hätten, dafür gab es hier den Mietwagen inklusive Sprit. In Alta kostet die Übernachtung mit Strom und Wasser 12.50 €, Dusche 2 € und im Clubhaus hat man sogar die Möglichkeit sich aufzuhalten und die Küche zu benutzen. Ach ja, und mit ein bisschen Übung ist norwegisch einfacher als kroatisch oder griechisch, es liest sich wie deutsch mit vielen Fehlern oder wie geschriebener Dialekt: so heißt god dag – guten Tag, eine bekreftelse for overnatting- ist eine Bestätigung für die Übernachtung, die bensinstatione findet jeder und was vorbidden ist, das sollte man auch nicht machen! Und die Gegend, die freundlichen, immer hilfsbereiten Menschen, das Feeling der Einsamkeit und die Natur? Norwegen kann man nicht vergleichen, man muss es erleben!

Mit der Landtour ist unser nördlichstes Ziel abgehakt, zurück durch den Altafjord und den Stjernsundet besichtigen wir nun den Oksfjord und übernachten im gleichnamigen Hafen. Fischzuchtanlagen, tolles Bergpanorama mit Blick auf die Gletscher, mal in Wolken gehüllt, mal in der Sonne glänzend. Hier und da ein Anglerkahn, mare TV in einer Endlosschleife auch auf dem Weg nach Hasvik.

In Hasvik auf Soroya gibt es einen kleinen Flughafen, dessen Ansteuerung mit der Ansteuerung der Hafeneinfahrt übereinstimmt und  sozusagen direkt hinter dem Fähranleger setzen die Flieger auf. Es ist Samstag und wir brauchen Diesel. Bei der Fischfabrik bekommen wir ihn, ein Angestellter unterbricht dafür extra seinen freien Tag und bei der Gelegenheit dürfen wir sogar die Hallen mit dem gefriergetrockneten Fisch besichtigen, der zu  100% für den Export nach Afrika, aber auch in europäische Länder, wie z. B.  Italien geplant ist. Am Abend kommen wir am Steg mit Litauern ins Gespräch, wir tauschen drei Bier gegen 4 große Fische und sichern damit unsere Mahlzeiten für  weitere 2 Tage. Einfach essen zu gehen ist in Nordnorwegen auf den Inseln nicht  möglich. Es gibt keine Restaurants. Wozu auch? Außer uns und Einheimischen oder  litauischen Fischern ist niemand unterwegs. In Hasvik, das mit 1000 Einwohnern als „größerer Ort“ gilt,gibt es ein Hotel mit angegliedertem Café, das tgl. von 12- 14 Uhr öffnet und eine Hotelbar die laut Aushang immer Samstags von 18- 23 Uhr zum Tanz einlädt, eine Gesamtschule, eine  Kirche, ein Supermarkt, eine Touristinfo die nur während des Fischfestivals öffnet  und eine Industriewarenladen der mit den Öffnungszeiten – immer Dienstags von 17- 19 Uhr, offensichtlich den Bedarf deckt.

Die Vegetation hat nur noch Sträucher  zu bieten, wegen des rauen Klimas lohnt es nicht, Vorgärten zu kultivieren, Blumen- oder gar Gemüsebeete haben Seltenheitswert. Jetzt im Hochsommer prägen  stellenweise saftige Wiesen mit niederen Gestrüpp das Bild, Farne und Flechten  überziehen wie ein weicher Hochfloorteppich die felsig zerklüftete Landschaft, doch Vorsicht, Spaziergänge querfeldein werden dadurch schnell zur Fußfalle. In der  Inselwelt Nordnorwegens gehen die Uhren anders! An Häusern, Schuppen und Autos  stehen die Türen offen, Fahrräder sind unabgeschlossen, man kennt sich! Schafe oder Rentiere grasen friedlich im Gelände. Die wenigen Straßen sind menschenleer,  Mittelpunkt der Örtchen ist entweder der Minimarkt oder der Hafen mit einer kleinen Fischfabrik. Bewegung kommt erst auf, wenn eine Fähre oder ein voller  Fischkutter einläuft. Dann finden sich ein paar Männer ein, die den Fang bergen,  Ladekräne und Gabelstapler bedienen, und den Fisch für die Weiterverarbeitung vorbereiten. Hasvik hat auch einen schönen langen Sandstrand zu bieten,  und da das Thermometer am Samstag im Windschatten auf 23 Grad klettert,  verschieben wir unsere Abfahrt ein wenig, machen einen Strandbummel und wagen es  unsere Füße ins Wasser halten. Das Kneipp- Bad bei 8 Grad dauert keine 5  Minuten, lockt aber gleich ein paar einheimische Zuschauer an, denen wir  vermutlich Gesprächsstoff für die nächsten langen Winternächte liefern.

Wir laufen  erst 17 Uhr aus, 18 Uhr zieht es schlagartig zu! Nach 18 sm mit 6 Bft., querdurchrollenden Wellen und durchnässten Handtüchern im Kragen, finden wir weder die Papageitaucher noch die hier häufig auftauchenden Schweinswale lustig und beschließen in Mevaret auf Loppa zu übernachten. 3.50m Tide, der feste Steg ist für Segler alles  Andere als ideal, aber es gibt zwei freie Fischerbojen. Zum Glück beißen die  Fische auch 22.30 Uhr noch in Sekundenschnelle an unsere Angel, ganz wild  darauf uns zum Abendessen zur Verfügung zu stehen.

Am nächsten Morgen segeln wir  mit achterlichem Wind gen Süd, um als nächstes Highlight im Jokelfjord den einzigen ins  Meer kalbenden, europäischen Festlandgletscher, den Aksovuonjiehkki, zu  besichtigen. Der riesige Gletscher, den wir schon vom Oksfjord aus gesehen haben ist zunächst von Wolken umhüllt, dann beginnt ein Naturschauspiel wie es ein Regisseur nicht besser hätte planen können. Ganz langsam hebt sich der  Nebelvorhang bis auch die obere Kante sichtbar wird und für die Farbe im Bild kommt noch  ein bisschen blauer Himmel zum Vorschein. Sekundenlang wird die in unserem  Rücken stehende Sonne zum Scheinwerfer der Szenerie und gleich darauf ist alles wieder in den Wolken verschwunden. Diese Inszenierung ist uns mehrere JPG –Megabyte und einen Manöverschluck wert! Mit Letzteren muss man in Nordnorwegen  übrigens sparsam umgehen, Nachschub generell sorgfältig planen. Wein und Bier  gibt es nur in Spezialläden, den Vinmonopolen, die Sonderöffnungszeitenhaben  (meist 11-15 Uhr) und für Yachties unerreichbar irgendwo im Landesinneren versteckt sind. Bier wird in den Minimärkten nur bis 16 Uhr, in größeren Geschäften bis 18 Uhr verkauft.  Eine Dose Bier kostet im Laden ca. 4 €, ein Glas 0,6 l im Restaurant 8 – 10 €, eine Schachtel Zigaretten 12€! Insgesamt sind die Preise bei  Lebensmitteln 50-70% höher als in Deutschland, das Gemüseangebot ist dürftig, frische Backwaren sind selten, dafür gibt es viele verschiedene Sorten  Mehlmischungen zum do it yourself. Wurst und Käse gibt es meistens nur folienverpackt,  Fleisch (oft Hammel) und Fisch findet man normalerweise nur in der Gefriertruhe. Obwohl es von  Fischern und Anglern rundum nur so wimmelt, gibt es, wohl in Ermangelung von Kundschaft, keine Fischmärkte. Wir übernachten im Jockelfjord an einer Boje und haben als geübte Selbstversorger heute zum Abendessen frisches Brot und Fischsalat in Mango- Currycrem, aus den  Resten von gestern.

Zurück durch den Jockelfjord umrunden wir Spildra südlich,  kämpfen uns im Haukoysundet ein Stück gegen den Tidenstrom vorwärts, der dann  umschlägt und uns bis zum Abend durch den Maursundet, und Rotsundet nach Hamnnest  trägt, wo wir nach ca. 38 sm bei Hägar und seiner Frau am Steg übernachten. Die beiden Allrounder sprechen mehrere Sprachen, lebten schon in Italien, Deutschland und den  USA, und sind ganz bewusst hierher zurückgekehrt um abseits von  Alltagsstress, Drogenproblemen und Ähnlichem, ihre vier Kinder in der Natur zu erziehen. Sie betreiben hier einen kleinen Laden mit Poststelle, vermieten Ferienwohnungen und Angelboote, können als Führer für Berg – oder Skitouren gebucht werden,  spielen bei Anmeldung auch mal Gaststätte und kümmern sich um den stets freien  Zugang zur Fähre, die hier von der E 6 herüber kommt, um die Insel Uloya zu  versorgen.

Quasi quer vorm Rotsundet in Nord- Südrichtung, liegt der Lyngenfjord.  In Anlehnung an unser Alpengebirge, werden die bis 1600 m hohen Berge auch  Lyngenalpen genannt. Bei strahlendem Sonnenschein, blauen Himmel und Nordwind  rauschen wir Vorwind entlang des herrlichen Panoramas 12 sm den Fjord hinab. Insgesamt ist er rund 80 km lang – 14 km länger als der Bodensee! Da wir auch an den Rückweg  denken müssen, nehmen wir die Insel Aroya als Wendmarke, umrunden sie und gönnen uns noch eine kleine Rast in einer  Bucht an der Nordwestseite, bevor wir hart auf der Kante die 12 sm zurück  kreuzen. Bei der steifen Brise brauchen wir Handschuhe und Mützen, aber entlang der glitzernden Berge ein herrlicher Segeltag. In Djupvik einen kleinen  Fischerhafen am östlichen Ufer machen wir fest.

Einem Vorschlag unseres Vercharterers folgend, haben wir uns zu einem weiteren Landausflug entschlossen. Die E 6 führt  durch den Ort und Ivar der Chef von Boreal Yachting holt uns persönlich am  nächsten Morgen ab. Er spielt den Guide ins Naturschutzgebiet Reisatal und zu den Wasserfällen, organisiert Flusskähne und ein Picknick am Lagerfeuer.  Während wir der Reisa, durch üppig grüne Täler mit dunklen Felswänden und  Wasserfällen, über Kurven und Stromschnellen Richtung Quelle folgen, erzählt er ein  wenig von Land und Leuten. So erfahren wir auch, dass man schon ab Februar in  Norwegen segelt und sein neuestes Angebot „sailing and skiing“ immer mehr Buchungsnachfragen hat. Über Skihänge und Gletscher bis Boot, „solche  Art Abenteuer kann man hier bis in den späten Mai ausleben wenn man die  richtige Outdoorkleidung hat“, berichtet Ivar, sowie dass zu seinen Kunden  hauptsächlich Franzosen und Italiener zählen. Sollen sie doch! Wir sind auch aus  Enthusiasmus hier, aber uns reicht das Sommerwetter mit seinen steten 12 bis 14°C  aus. (nachts 4-6°)

Der nächste Segelschlag, d. h. 15 sm unter Segel und15 sm unter  Motor, wir folgen der 350° Linie und erreichen am Abend Arviksand auf der Insel Arnoeya. Unterwegs eine  eher unansehnliche Abwechslung, ein auf offener See treibender, ca. 15 m  langer toter Wal, dessen dicke, weiße verwesende Fleischschicht fürchterlich stinkt und den wir aus der Ferne für ein Stück Gletschereis hielten. Außerdem am Nachmittag ein Zollboot, das auf einen Fischkutter zuhält und wohl zur Kontrolle einige uniformierte Beamte übersetzen, sowie am Horizont das zweite Segelboot, dem wir diese Woche begegnen. Vor Arviksand ein paar Untiefen, um denHafen eine hohe Steinmole, die guten Schutz vor Nordwind und entsprechenden Wellen bietet, sowie drei neue Schwimmstege, eine Poststation, ein Minimarkt, ein Steinbruch, der Baumaterial für die umliegenden Häfen und Inseln liefert und eine Fischfabrik bei der wir mit drei Dosen Bier drei Arbeiter erfreuen und dafür alle Wassertanks füllen. Immerhin gibt es eigene Postkarten vom Ort; Motiv Fischfabrik mit Bergpanorama im Morgenrot! Zeit für ein bisschen Unterwasserwelt. Die dank Golfstrom ganzjährig gleichbleibende Wassertemperatur von 6-8 Grad, scheint für Wasserpflanzen ideal zu sein, selbst neue Bojen und Leinen sind dicht bewachsen, Miesmuschelkolonien unter jedem Steg zu finden, weiße und orangefarbene Seeanemonen leuchten zwischen zahlreichen Herzmuscheln und dicken Seesternen vom Grund herauf. Fünf verschiedene Quallensorten von ca. 3- 40 cm Größe sind auszumachen und schwimmen in dichten Feldern am Boot vorbei.

Da inzwischen Freitag ist und wir Montag das Boot zurückgeben müssen, ist nun Zeit die Routenwahl wieder gen Tromsö zu richten. Bei Halbwind machen wir zunächst einen schönen Segelschlag nach Westen um am Südkap von Fugloya, der Vogelinsel, nach den hier beheimateten Rauhfußbussard oder Gerfalken Ausschau zu halten. Doch die imposanten Felswände sind verwaist, im Vogelschutzgebiet noch nicht mal Möwengeschrei zu hören. Selbst die Papageitaucher, die sonst immer rund um unsere Yacht ihr Spiel treiben, tauchen erst wieder auf, als wir schon ein paar Seemeilen entlang der Ostküste von Vannoya schippern. Eine Nacht im Bojenfeld der Fischer von Vannvag und am anderen Morgen queren wir den 70. Breitengrad im Vannsundet um durch den Langsundet nach Tromsö zurück zu kehren. Die imaginäre Linie wird zur Wetterscheide, ab hier fast Dauerregen bis zum Ausgangshafen und jetzt wo wir den Nordost gebrauchen könnten, bläst es aus Südwest, so dass wir inklusiv dem gegenläufigen Gezeitenstrom kaum vorwärts kommen. Dort wo die Strömungen von Sunden und Fjorden zusammenfließen, ist das Wasser besonders kabbelig, ganze Möwenfelder markieren die Oberfläche und die Fischer behaupten, das seien die besten Angelplätze. Wir angeln nicht mehr, haben genug von den beißwütigen Fischen und den Folgearbeiten in der Bordküche. Da auch die Sicht inzwischen sehr eingeschränkt ist, machen wir noch einen Aufwärmstopp in Hansnes, um mit einsetzendem Tidenfall, die Strömung mit uns zu haben. Hansnes hat eine auch vom Straßennetz erreichbare Hafentankstelle, deshalb sind die Dieselpreise um 50 % höher als bei reinen Bootstankstellen. In 1,5 km Entfernung vom Hafen hat das Örtchen einen gut bestückten Supermarkt zu bieten. Zum Proviantfassen geeignet, doch wir sind dabei unsere Schapps zu leeren, richten uns Grog und heiße Schokolade und dieseln weiter. Bei kräftiger Welle, in kompletter Montur mit Rettungsweste, Lifebelt und Handtuch im Kragen, genießen wir unseren letzten Törntag im Langsundet. Gegen 19 Uhr laufen wir in den Grottsundet ein und haben außer dem GefühI der klammen Finger auch das Gefühl wieder unter Menschen zu sein. Mehrere Fischkutter kommen aus Nord und schlagen den gleichen Kurs Richtung Tromsø ein, von wo uns zwei Kreuzfahrtschiffe entgegenkommen. Elf Schiffe im Umkreis, was für Verkehr!

In Skattoera, einem Hafen am Nordostufer Tromsoyas, den wir auch zwecks Auftanken wählten, verbringen wir, zeitweise etwas schaukelnd, die zweitletzte Nacht an Bord. Die Temperatur fällt auf 3° und schafft es am anderen Tag gerade so auf 7 Grad. Vor lauter Regenwolken wird es gar nicht erst richtig hell. Während wir durch die Festlandbrücke von Tromsø fahren, die Eismeerkathedrale von See nochmal fotografieren und Tromsoya südlich runden, gilt es wegen der vielen Untiefen aufzupassen, kein Seezeichen zu übersehen. Wir biegen in den Balsfjord ein, während auf den Gipfeln rundherum vergangene Nacht der erste Schnee fiel. Mitten im Wettermix ein Sonnenloch das uns an diesem nicht ganz typischen norwegischen Sommertag zum Abschied noch einen Regenbogen über die Brücke des Sandnessundt zaubert. Bei stürmischem Nordwest, der genau auf unseren Liegeplatz im Ausgangshafen Eidkjosen steht, brauchen wir 3 Versuche, bis wir mit dem Bordbucheintrag „Leinen fest – 69°40,5 N; 018°45,0 E, Gesamtmeilen 401, unter Segel 258 “, unseren Törn beenden.
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