Grundlegendes zum Thema Segeln

Segeln, das kann eine Kreuzfahrt auf der Star Clipper, Star Flyer, Sea Cloud, Med 2 oder der Lili Maleen sein, wo die Mitsegler Passagiere heißen und sogar mal an einem Tau ziehen dürfen.

Das Segelangebot der „Blauen Reise“ in der Türkei, in Griechenland oder Kroatien beschränkt sich auf das Aufspannen des Sonnensegels, während der Diesel ununterbrochen dahintuckert.

Auch sportliche Regatten von der Jolle bis zum Dickschiff haben ihr Extrem: Vendee Globe, Volvo Ocean Race, Americas Cup, Sydney-Hobart Race, Fastnet Race und wie sie alle heißen. Immer extremere sportliche Höchstleistungen mithilfe modernster Technik und Kommunikations- möglichkeiten, zur Freude der Crew und zum Wohle des Sponsors.

Eine andere Art des Segelns ist das Fahrtensegeln: intensives Erleben der Natur. Meer, Sonne, Wind, Wellen, einsame Ankerbuchten und quirliges Hafenleben. Das Meer, das Wetter – die Natur – bestimmen! Wir modernen Menschen haben das Gefühl dafür völlig verloren. Das wieder ein wenig zu lernen ist etwas vom Schönsten und Wichtigsten, was uns die Segelei vermitteln kann.

Fragen die sich für Segelgreenhorns einfach stellen

1. Wie beginnt eigentlich so ein Törn?

Nach der Ankunft im Ausgangshafen und der Kojeneinteilung erfolgt eine Einweisung in die Funktionen aller wichtigen Dinge auf der Yacht. Es wird gemeinsam eine Bordkasse angelegt, der Skipper bezahlt anteilig mit ein, was bei fast allen Kojenvercharterern nicht üblich ist. Von diesem Geld wird das Essen und Trinken an Bord, Hafengebühren und der Kraftstoff für die Yacht bezahlt. Aus Erfahrung liegt dieser Betrag pro Teilnehmer bei ca. 150,- bis 200,- € pro Woche. Beim Essen gehen bezahlt jeder seinen Anteil selbst,wobei der Skipper für Erbsenzähler die bei einer gemeinsamen Tischrechnung centgenau abrechnen wollen, kein Verständnis hat!:-)) Ob nach Besprechung aller sicherheitsrelevanter Dinge noch am selben Tag ausgelaufen wird oder erst am Tag darauf, richtet sich nach dem schon im Vorfeld mit der Crew besprochenen Törnplan. Unter Berücksichtigung der geplanten Strecke und des Wetters entscheidet letztendlich der Skipper.

2. Wie viele Stunden wird täglich gesegelt?

Die Interessen der Crew werden schon vor einem Törn besprochen. Möglichst viel segeln oder höchstens 3 oder 4 Stunden täglich und stattdessen viel Gelegenheit zum Schwimmen, Tauchen, dolce far niente – alles ist möglich. Ein bisschen Landgang sollte natürlich auch sein. Es wäre doch schade, wenn außer Häfen und Buchten keine Eindrücke von einer wunderschönen Landschaft zurückbleiben würden.

Selbstverständlich müssen nicht alle das Gleiche tun. Dank Handy lassen sich einzelne Grüppchen zu einem bestimmten Termin wieder unter einen Hut bringen.

 

3. Ein Segeltörn, ist das wirklich etwas für mich?

Ja, wenn dir bewusst ist, dass ein Segelschiff kein „modernes Verkehrsmittel“ ist, das wir besteigen, um zur gewünschten Zeit an einem geplanten Ort anzukommen. Wer das sucht, reist mit dem Auto pünktlicher – dafür wesentlich gefährlicher, das nur nebenbei. Wer auf einem Segelschiff reisen will, sollte mit Zeit- und Zielvorstellungen flexibel umgehen können. Das Meer, das Wetter – die Natur – bestimmen!

Wieder ein wenig zu lernen, von der Natur abhängig zu sein, ist etwas vom Schönsten und Wichtigsten, was uns die Segelei vermitteln kann.

Nein, wenn du wenig vom vorig genannten hälst, Teamwork ein Fremdwort für dich ist, dein Schminkkoffer dir sehr viel bedeutet oder man dich als Besserwisser und Nörgler kennt, dann gibt es nur eine Möglichkeit: Finger weg!

4. Wo wird übernachtet, wird auch nachts gesegelt?

Je nach Möglichkeit und dem Wunsch der Crew wird für die Nacht eine Bucht oder ein Hafen angelaufen. Geschlafen wird an Bord in den Kojen oder an Deck unter dem Sternenhimmel im Schlafsack. Ein Highlight ist sicherlich auch eine Nachtfahrt.

5. Wie sieht so eine Segelyacht denn innen aus?

Für 8 Kojen in 4 Kabinen sind üblicherweise 2 Toilettenräume vorhanden. Zwischen den Bug- und den Heckkabinen ist der Salon mit Platz für die gesamte Crew und die Küche (Pantry), sowie der Kartentisch des Skippers. Die Stehhöhe beträgt bei modernen Yachten überall ca. 2 Meter.

 

6. Was macht man nach dem Anlegen im Hafen oder dem Ankern in einer Bucht?

Der Skipper war üblicherweise schon mehrmals in dem Revier unterwegs, kennt interessante Landausflüge und auch Restaurants, bei denen das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt. Man glaubt es kaum, wie schnell die Zeit auch in einer schönen Badebucht vergeht.

7. Was kostet es sonst noch?

Wie schon unter Punkt 1 gesagt, ca. 150,- bis 200 € pro Crewmitglied und Woche für die Bordkasse. Die Preise in den Restaurants der „Segelländer“ sind mit denen bei uns vergleichbar, nicht selten auch geringer. Wie überall hat das Restaurant mit der größten Terrasse direkt am Hafen natürlich die höchsten Preise.

Flüge zu den Hafenstädten sind bei rechtzeitiger Buchung heutzutage durchaus günstig, außerdem wesentlich ungefährlicher als mit dem Auto zu fahren.

8. Wird mir beim Segeln nicht schlecht?

„Strahlend blauer Himmel, kräftiger Wind, starker Wellengang und unsere Yacht wurde unsanft hin und her geworfen. Gähnattacken, leichter Schwindel und das zunehmend mulmige Gefühl im Magen, bis ich an der Reling hing und Neptun meinen Tribut zollte.“ So die Beschreibung in einem Törnbericht. Kaum im Hafen angelegt oder in einer ruhigen Bucht geankert, und in wenigen Minuten ist der ganze Spuck vorbei. Ein Beweis, dass die Angst eine wesentliche Rolle spielt. Normalerweise gewöhnt sich der Körper in 1-2 Tagen an die Bewegungen des Schiffes. Außerdem ist der Wellengang im Sommerhalbjahr im Mittelmeer wie auch in anderen Seegebieten bis auf wenige Ausnahmen doch sehr gemäßigt. Wer weiteres dazu erfahren möchte, kann den angehängten Artikel von Thorsten Siebenborn – mit Ergänzungen von Apothekerin Carla Schenk – lesen, die zusammen mit ihrem Mann schon mehrere Weltumseglungen überstanden hat.

Was hilft gegen Seekrankheit von Thorsten Siebenborn

9. Gepäck, was nehme ich mit?

Je nach Jahreszeit, Revier und Dauer des Törns variiert das natürlich etwas. Was in der Reisetasche oder dem Seesack sein sollte, ist in einer extra Liste zusammengefasst.

Was gehört in die Segeltasche

Was hilft gegen Seekrankheit?

von Thorsten Siebenborn

mit Anmerkungen und Ergänzungen von Carla Schenk, Apothekerin

Nicht Nebel oder Stürme, sondern die Seekrankheit ist seit jeher schlechthin die Geißel in der Seefahrt. Weder Admiräle noch Matrosen, noch wir Segler werden davon verschont. Der, den es einmal gepackt hat, ist verzweifelt – bis hin zu akuten Selbstmordgedanken. Und nicht wenige einst begeisterte Segler oder Seglerinnen hat sie über lange Zeit so zugesetzt, dass sie ihr Hobby schließlich aufgegeben haben.

Wenn ich die Mails, die mich über die Jahre erreicht haben, in Sachgebiete unterteilen würde, dann wäre „die Seekrankheit“ ganz oben in der Stoffsammlung. Grund genug, sich intensiv mit diesem Phänomen auseinander zu setzen. Autor Thorsten Siebenborn (Bild) ist übrigens selbst leidgeprüft, weiß also, wovon was er spricht.

Die meisten der nachfolgend erwähnten Medikament sind ohnehin verschreibungspflichtig. Vor einer eventuellen Selbstbehandlung muss deshalb in jedem Fall eine Beratung durch den Hausarzt beziehungsweise Apotheker eingeholt werden!

Die schlechte Nachricht: Starker Wille hilft nichts!

Vorbemerkung: Ich gestehe freimütig, zu der Spezies Mensch zu gehören, die seit der Kindheit feststellten, dass die auf der Kirmes aufgestellten ausgeklügelten Folterinstrumente keinen Spaß machen. Der Grund hierfür ließ sich schnell finden:
Reisekrankheit, in Ihrer bekanntesten Ausprägung die Seekrankheit, unter Ärzten und Wissenschaftlern auch Kinetose genannt.

Da man seine Schwäche kennt, trieb es mich, alles darüber aufzusaugen, was es Wissenswertes zu diesem Thema gibt, insbesondere zu den Gegenmittel. Ich hoffe, Sie werden manches Nützliche darüber erfahren. Sofern möglich, habe ich die Quellen für meine Informationen angegeben.

Fangen wir mit der schlechten Nachricht an: Seekrankheit kann nicht willentlich beeinflusst werden und ist derzeit (mit den unten genannten wenig erstrebenswerten Alternativen) nicht heilbar. Da der Ausbruch mit der Art und Stärke der Reize zusammenhängt, ist es unklar, ob es gesunde Leute gibt, die vollkommen immun dagegen sind. Nach Umfragen zeigen Frauen verstärkte Symptome und Anfälligkeit, die Neigung zur Seekrankheit nimmt schneller ab. Trotz dieser Umfrageergebnisse fand eine Studie, dass Frauen, obwohl sie auch hier eine höhere Anfälligkeit angaben, keine erhöhte Anfälligkeit als Männer unter Testbedingungen ziegten.

Leider finden sich immer wieder bedauernswerte Dummköpfe, die glauben, man könne Seekrankheit durch den Willen beeinflussen. Ein schlagendes Gegenbeispiel ist der britische Admiral Horatio Nelson, der trotz ständigem Aufenthalt auf der See zeitlebens schwer seekrank war und dem man wohl kaum Willensschwäche oder fehlende Gewöhnung nachsagen kann – jedenfalls nicht im Roman. Ein weiteres Beispiel ist der Abenteurer Rüdiger Nehberg: Dieser überquerte trotz Seekrankheit mehrfach den Atlantik auf skurrilen Wasserfahrzeugen (erst ein Tretboot, dann ein Bambusfloß und schließlich (mit Auslegern) auf dem Baumstamm einer Tanne) um die Weltöffentlichkeit auf die Bedrohung der Yanomami-Indianer aufmerksam zu machen. Als der irische Abenteurer Ernest Shackleton 1916 auf einem Sieben-Meter-Boot, der „James Cairn“, die heulenden Sechziger durchquerte, waren vier der sechs Besatzungsmitglieder, ausnahmslos alles erfahrene Matrosen, seekrank.

 Wie entsteht Seekrankheit ?
Im Innenohr befindet sich das Gleichgewichtsorgan, was beim Menschen aus drei in verschiedene Richtungen orientierten Bogengängen besteht. Diese Gänge sind mit einer Flüssigkeit gefüllt; Bewegung führt dazu, dass sich die Flüssigkeit verschiebt und diese Bewegung wird mittels winziger Härchen wahrgenommen. Das Gehirn benutzt aber auch andere Sinneseindrücke, insbesondere den Gesichtssinn, um sich im Raum zu orientieren.

Wenn das Gleichgewichtsorgan im Innenohr beidseitig ausfällt oder zerstört wird und damit keine Bewegungsverschiebung mehr wahrgenommen werden kann, hört die Reisekrankheit auf.

Geben nun das Gleichgewichtsorgan und der Gesichtssinn widersprüchliche Signale an das Gehirn, dann führt dies bei manchen Menschen zur Reisekrankheit. Der genaue Mechanismus ist derzeit noch nicht vollständig geklärt; es wird vermutet, dass das Gehirn die widersprechenden Signale als Symptome einer Vergiftung interpretiert und durch die Übelkeit sorgt, dass der Magen entleert wird. Dass diese fehlende Übereinstimmung die Reisekrankheit auslösen kann, wird sehr gut durch das Phänomen der „Simulator Sickness“, also Übelkeit durch das Vortäuschen von Bewegung beim Sehen bei gleichzeitigem Stillsitzen. Wissenschaftler benutzen deshalb zur Untersuchung der Reisekrankheit einen Sitz, um den sich eine riesige Trommel unregelmäßig dreht[5]. Rätselhaft bei dieser Erklärung ist allerdings, warum auch Blinde reisekrank werden können.

Reinhard Jarisch, ein österreichischer Allergologe, vermutet deshalb, dass eine Histamin-Intoleranz ein Mitauslöser der Reisekrankheit ist. Bei manchen Menschen führen ungewohnten Bewegungen dazu, dass der Botenstoff Histamin ausgeschüttet wird. Dieser kontrolliert nicht nur das Magen-Darm System, sondern auch das Immunsystem, den Appetit und einige andere Dinge. Unser Körper hat nun verschiedene Sinneszellen, die auf das Histamin je nach Ort unterschiedlich reagieren. Für die Seekrankheit verantwortlich ist der H1- Rezeptor; dies fand man dadurch heraus, dass Medikamente, die verschiedene Histaminrezeptoren hemmen, bei anderen Arten von Übelkeit durchaus erfolgreich sind (zum Beispiel postoperative Übelkeit), aber bei der Reisekrankheit versagen. Jarisch sagt, dass der Körper bei Leuten mit Histaminintoleranz Unmengen von Vitamin C verbraucht, was auch erklären würde, warum Seeleute bevorzugt von der Vitaminmangelkrankheit Skorbut betroffen waren. Deshalb empfiehlt er die vorbeugende Einnahme von Vitamin C zur Bekämpfung der Seekrankheit.

Kondition

Seekrankheit wird entscheidend beeinflusst durch das eigene Wohlbefinden. Je schlechter oder stressiger man sich bereits fühlt, desto schneller stellt sich bei sonst gleichen Bedingungen die Reisekrankheit ein.

Deshalb gilt:
– Schlafen Sie sich aus, so dass sie die Reise ausgeruht antreten können. Am besten reisen sie während Ihrer biologischen Hochs, die bei den meisten Menschen nach dem Aufstehen bis kurz vor dem Mittag und dann noch einmal am Nachmittag stattfinden. Können Sie gut im Verkehrsmittel schlafen, dann reisen sie ruhig nachts.

– Reduzieren sie Ihren Stress: Gerade beim Urlaub verschaffen sie sich bitte ein großzügiges Zeitpolster, so dass sie nicht in Zeitnot und somit in Hektik geraten. Falls sie sich ablenken können, tun sie das. Wenn Sie im Flugzeug sind, halten sie die Spuckbeutel griffbereit. Es gibt nichts Blöderes, als panisch nach dem Ding zu suchen, wenn es dringend wird.

– Wärme: Gerade bei Ausflugsreisen auf dem Schiff (Vögel oder Wale beobachten) ist es wirklich zu empfehlen, sich möglichst warm und geborgen einzupacken, da sich gerade im Anfangsstadium Reisekrankheit durch eine erhöhte Kälteempfindlichkeit bemerkbar macht.

– Genussmittel: Weiter unten stehen bereits weitere Gründe, warum Genussmittel während der Reise keine gute Idee sind. Wenn Sie wissen, dass sie auf Seekrankheit empfindlich reagieren, lassen sie sich nicht zum Trinken oder Rauchen animieren.

Essen und Gerüche

Am besten gegen Reisekrankheit hilft frische, kalte Luft. Sämtliche schlecht riechenden Sachen sind zu vermeiden: Stockflecken, Schweiß, Exkremente, Muff, stickige Luft und chemische Gerüche wie Öle, Lacke und Treibstoffe. Dazu gehört auch das Rauchen, das nicht nur schlecht riecht, sondern auch den Magen reizt. Wenn sie durchaus das Rauchen nicht lassen können und dieses nicht verboten ist (z.B. auf der Yacht), versuchen Sie bei einer kurzfristigen Reise lieber auf Vorrat zu rauchen und bei einer langfristigen Reise die Rauchpausen dorthin zu verlegen, wenn Sie am ruhigsten und entspanntesten sind. Es ist keine gute Idee, die Unruhe während schlechten Wetters mit Rauchen zu unterdrücken.

Falls andere Passagiere sich „erleichtern“ müssen, hilft ein Fläschchen Pfefferminzöl (japanisch oder chinesisch), an dem man riecht oder bei dem man sich (sofern man keine empfindliche Haut hat) einen Tropfen unter die Nase einreibt. Auch gut sind Lutschbonbons und -pastillen mit ätherischen Ölen wie Eukalyptus und Menthol zur Vorsorge. Wenn man allerdings merkt, dass diese nichts mehr helfen, sollte man sie aus dem Mund entfernen.

Vor der Reise sollen sie so essen, dass sie gerade satt sind.

Vermeiden sie unbedingt:

– Fisch oder Fleisch als Hauptbestandteil der Mahlzeit. Nicht nur, weil es den Magen reizt, es sorgt auch dafür, dass der Magen wesentlich mehr Säure zum Verdauen produziert. Diese Säure ist zum großen Teil mit dafür verantwortlich, warum das Aufstoßen so unangenehm ist.

Aus demselben Grund:
– säurehaltige Getränke wie Kaffee oder Limonade/Softdrinks (Kohlensäure)
– alkoholische Getränke.

Alles, was einen starken Geschmack oder Geruch hat (mit Ausnahme von angenehm empfundenen Gerüchen wie Menthol, Eukalyptus oder Pfefferminz), ist zu vermeiden. Also keine Süßigkeiten, salzige, saure, bittere und insbesondere fette und/oder gebratenen Speisen!

Nachdem ich all das aufgezählt habe, was man nicht essen soll, kommen wir zu den erfreulicheren:

Empfohlenen Speisen:

– Bananen. Nicht nur, dass sie angenehm schmecken und riechen, sie senken den Säuregehalt des Magens und sind wegen der Konsistenz und des Geschmacks wegen wesentlich angenehmer aufzustoßen.
– rohe Karotten. Ebenfalls sehr verträglich und sowohl der Geschmack als auch die Konsistenz beim Essen (das leichte Knacken) helfen, Übelkeit zu unterdrücken.
– frisches Obst und Gemüse allgemein mit Ausnahme von Zitrusfrüchten. Faustregel: Wenn es noch lebt, pflanzlich ist und nicht zu stark riecht oder schmeckt, ist es in Ordnung.
– Suppen
– ungesäuertes Brot und Zwieback
– Kamillentee, Pfefferminztee, Ingweraufguss (siehe unten), warmes (stilles) Wasser

Haben Sie bereits den Fehler gemacht, aus Heißhunger etwas nicht ganz so Empfohlenes gegessen zu haben, können sie Antisäuerungsmittel wie Magaldrat („Maalox“), Rennie, Alka-Seltzer, Talcid oder ähnliches verwenden.

Gerade wenn es Ihnen schlecht geht, sollten Sie viel trinken, um eine Dehydrierung zu vermeiden. Müssen sie kotzen und haben Sie die oben genannten Lebensmittel gegessen (insbesondere Bananen), dann kann es eventuell besser sein, wenn sie (kein Scherz) den Brei wieder hinunterschlucken. Denn wenn der Magen einmal leer ist, dann bleibt nicht nur die Übelkeit, sondern der Magen krampft sich schmerzhaft zusammen. In diesem Zustand ist man praktisch nicht mehr handlungsfähig und bis zu Suizidgedanken ist es nicht mehr weit.

Bewegung:
Die Anmerkungen entstammen meiner eigenen Erfahrung und es würde mich interessieren, ob meine Vorlieben bzw. Abneigungen geteilt werden.

Vorweg ein paar Begriffsbestimmungen: Wir stechen einen überdimensionalen Bratspieß von links nach rechts bzw. von Backbord nach Steuerbord durch das Schiff/Flugzeug und zwirbeln den Spieß. Diese Bewegung nennt man beim Schiff „Stampfen“ und beim Flugzeug „Nicken“ und das passiert, wenn das Schiff die Wellenberge empor klimmt oder das Flugzeug in einen Auf-/Abwind gerät. Stecken wir die Achse von vorne nach hinten bzw. vom Bug zum Heck, dann haben wir das gefürchtete „Rollen“ oder „Schlingern“, das Schiff legt sich abwechselnd auf die Seite.

Am schlimmsten empfinde ich kombiniertes Stampfen und Schlingern und dies passiert, wenn der Skipper die Wellen schräg nimmt oder die See einen sehr unregelmäßigen Wellengang hat. Nur Schlingern ist für mich das nächstschlimmste, nur Stampfen das kleinste Übel. Man könnte den Skipper bitten, wenn möglich die Wellen von vorne zu nehmen, schließlich hat fast immer der Schiffsführer selbst ein Interesse daran, dass seine Mitsegler nicht krank werden. Eine Studie hat meine Erfahrung nicht bestätigen können und fand keinen Unterschied zwischen den beiden Bewegungsarten.
Verkehrsmittel, Position und Beschäftigung
-Je größer ein Verkehrsmittel ist, desto weniger bewegt es sich bei sonst gleichen Bedingungen. Die Queen Elizabeth ist selbst bei stürmischem Wind durchaus stabil, während eine Jolle schon bei einer leichten Brise und Wellengang unangenehm werden kann. Das gilt auch für Flugzeuge: Also lieber den Jumbo Jet und den Airbus A380 buchen! Das liegt an der Trägheit. Wenn wir annehmen, dass wir ein Schiff oder Flugzeug auf doppelte Rumpflänge vergrößern, dann vervierfachen sich Angriffsfläche und wirkende Kräfte, aber die Masse erhöht sich um das Achtfache und damit verringert sich effektiv die Beschleunigung. Fazit: Große Schiffe oder Flugzeuge fahren ruhiger.

– Mehrrumpfboote sind Einrumpfbooten vorzuziehen. Ein Mehrrumpfboot liegt wie ein Brett auf dem Wasser, während das Einrumpfboot Belastungen durch Rollbewegungen ausweicht und mittels Kiel zurückschwingt.

– Wo möchten Sie lieber sein: an Deck oder im Krähennest, diesen schön schwankenden Ausguck auf der Mastspitze? Klare Antwort und wir können das dahingehend verallgemeinern, dass wir uns möglichst nah am Schwerpunkt des Schiffes oder Flugzeuges aufhalten. Im Schiff ist das möglichst tief (aber auf schlechte Gerüche achten), im Flugzeug bleibt man über den Flügeln (Ist zwar ein bisschen laut, aber wen stört es?).

– Liegen ist besser als Sitzen und Sitzen ist besser als Stehen. Die Füße zeigen immer in Richtung Bug (Wir Menschen sind frontal orientiert; verkehrt sitzen verstärkt nur die Diskrepanz zwischen Sehen und Wahrnehmen und damit auch die Reisekrankheit.

– Die Augen visieren einen weit entfernten Punkt an, an Deck bietet sich der Horizont an. Man schaut immer geradeaus, nicht zur Seite. Schwingende Gegenstände müssen aus dem Blickfeld entfernt werden. Niemals lesen oder Fernsehen schauen, das verstärkt die Symptome! Schlafen oder Dösen (man wird ohnehin müde) ist die beste Möglichkeit, der Seekrankheit auszuweichen. Das wird natürlich ein Problem der Langeweile, wenn man sich ungenügend ablenken kann.

– Ein von mir gefundenes Mittel, die Reisekrankheit zu vermindern: Man sucht sich eine Nische, die etwas kürzer ist als die Körperlänge. Dort klemmt man sich ein, indem man sich streckt, und den Kopf hinten an die Wand presst. Dadurch wird die Eigenbewegung minimiert (man torkelt und schwankt nicht) und spürt gerade bei kleineren Schiffen, wie sich das Boot im Wellengang bewegt. Dies macht es dem Gehirn meiner Erfahrung nach einfach, sich auf die Bewegung einzustellen und man wird nicht seekrank.

Desensibilisierung

Verschiedene Luftwaffenverbände (Kanada, Italien, Großbritannien) haben mit der Reisekrankheit von ihren Rekruten zu kämpfen. Um diese bekämpfen zu können, wurden Programme eingerichtet, bei denen die Rekruten langsam immer stärkeren Reizen ausgesetzt werden während gleichzeitig durch psychologische Maßnahmen (autogenes Training, Biofeedback) ein Höchstmaß von Entspannung während der Belastungstests erreicht werden soll. Die Erfolsrate soll bei etwa 80% liegen. Da wir im Gegensatz zum Militär wesentlich weniger Geldmittel zur Verfügung haben, ist es also anzuraten, möglichst oft in ruhigen Verhältnissen zu reisen, um sich schrittweise zu gewöhnen.

 Mittel gegen Seekrankheit

Die nun folgenden Mittel sind, soweit möglich, nach der Reihenfolge aufsteigender Wirksamkeit geordnet. Das Überraschende ist nun, dass es anscheinend individuelle Unterschiede in der Wirksamkeit gibt. Einige reagieren selbst auf starke Medikamente kaum, während die in Studien angezweifelten Mittel individuell gleichwertige oder sogar bessere Wirkungen erzielen.

Es ist also anzuraten, eigene Experimente zusammen mit dem Hausarzt anzustellen, um die für einen selbst optimalen Mittel zu finden. Leider gilt: Je besser und stärker ein Medikament, desto schlimmer sind auch evtl. Nebenwirkungen.

Die hier erstellten Ergebnisse basieren auf Untersuchungen, die auf Überfahrten in Norwegen und in der Drake-Passage gewonnen wurden.

Vitamin C:
Die auf Reinhard Jarisch zurückgehende und oben beschriebene These ist die, dass Vitamin C den Botenstoff Histamin abbaut, dementsprechend sollte eine reichliche VitaminC-Zufuhr vor der Reise die Reisekrankheit mildern. Neben den üblichen Verdächtigen Orange, Zitrone, Paprika und Johannisbeere empfiehlt sich der Lappentang (Palmaria palmata), eine als „Dulse“ bekannte Speisealgenart.

Akupressurband:
Das Akupressurband soll den in der Akupressur so genannten P6/Nei-Kuan stimulieren. Studien zeigen widersprüchliche Ergebnisse.

Ingwer:
Ingwer ist für seine Magenfreundlichkeit und seinen angenehmen Geschmack bekannt und hat in einigen Studien einen vergleichbaren Effekt wie Antihistaminika erzielt. In der Sendung „Mythbusters“ wurde in der Episode 43 publikumswirksam die Effektivität von Ingwer als Mittel gegen Seekrankheit bestätigt.

Metoclopramid: Cerucal, Paspertin, MCP, Gastronerton:
Dieser Wirkstoff besetzt die Bindungsstellen, die normalerweise von Dopamin, einem körpereigenen Botenstoff besetzt werden und verhindert so die Dopaminwirkung. Dopamin hat unter anderem den Effekt, Erbrechen auszulösen und den Weg von Medikamenten und Nahrung vom Magen in den Darm zu verlangsamen. Obwohl es bei anderen Anwendungen wie postoperativer Übelkeit gute Erfolge verzeichnet, ist seine Wirkung bei Reisekrankheit laut Studien praktisch Null.

Dimenhydrinat: Dramamine, Reisegold, Superpep, Vomex, Vomacur, Dramamin, Gravol, Vertirosan

Ein Antihistaminikum, das den H1-Rezeptor blockiert. Nebenwirkungen sind eine starke Müdigkeit, ein Taubheitsgefühl im Mund und lichtempfindliche Haut. Schwerere Nebenwirkungen sind mögliche Allergien, Schwierigkeiten beim Wasserlassen und ein Schweregefühl in den Beinen sowie Halluzinationen. Diese sollten aber bei der normalen Dosis nicht auftreten. Es dauert eine Weile, bis die volle Wirksamkeit erreicht wird, deshalb sollte es 1-2 h vor Antritt genommen werden.

Cinnarizin: Stugeron/Stunarone, Jannsen (In D nicht mehr erhältlich)
Es soll die Signalübertragung zwischen dem Gleichgewichtsorgan und dem Brechzentrum hemmen. Studien haben jedoch keine erhöhte Wirksamkeit gegenüber Dimenhydrinat nachgewiesen.

Meklizin/Meklozin: Bonamine, Dramamine II, Antivert, Postafen, Itinerol
Von der Wirkung her ist es vergleichbar oder besser als Dimenhydrinat, es ist aber wesentlich verträglicher. Nebenwirkungen sind kaum bekannt und es gilt als eines der besten Allroundmittel, das dem Scopolamin ebenbürtig ist.

Skopolamin/Hyoscin: Scopoderm TTS
Skopolamin ist wie das früher verwendete Atropin ein Alkaloid, d.h. in konzentrierter Form ein starkes Pflanzengift. Es gibt Pflaster, die hinter dem Ohr aufgeklebt werden und eine geringe Menge Skopolamin gleichmäßig über die Haut abgeben. Die Wirksamkeit beträgt bis zu drei Tagen. 1994 wurde es in den USA vom Markt genommen, da der Fertigungsprozess Mängel aufwies. Nach der Wiederaufnahme 1997 ist Scopolamine nun wesentlich verträglicher. Es ist besonders im Taucherbereich bekannt und beliebt. Es führt zur Mundtrockenheit, Sehstörungen, Antriebsschwäche. Bei einigen Leuten, die es nicht vertragen, führt es zu Übelkeit, Halluzinationen und Koordinationsstörungen.

Promethazin: Phenergan, Promethegan, Romergan, Fargan, Farganesse, Prothiazine, Avomine, Atosil, Rhinathiol

Eines der besten Mittel auf dem Gebiet der Antihistaminika und leider auch eines mit den möglicherweisen schlimmsten Nebenwirkungen. Es wurde in den USA in den 80ern von der Küstenwache gegen die Seekrankheit verwendet (sog. Coast-Guard Cocktail). Dabei wird das Medikament im Verhältnis 1:1 zusammen mit dem Muntermacher Ephedrin kombiniert, um die schwere Müdigkeit zu unterdrücken. Eine kombinierte Dosis ist 50 mg, also 25 mg Promethazin und 25 mg Ephedrin. Statt Ephedrin kann 60mg Pseudoephedrin verwendet werden. Wenn man nicht wach sein muss, kann man auf die Zugabe von Ephedrin verzichten.

Promethazin führt zu einer sehr starken Müdigkeit, Mundtrockenheit, Verstopfung
unscharfem Sehen und zitternden Beinen. In sehr seltenen Fällen kann es neben Krampfanfällen zum Malignen Neuroleptischem Syndrom führen. Das hört sich nicht nur hässlich an, es ist hässlich, weil lebensbedrohlich.

Die nun folgenden Medikamente sind eher für den Notfall gedacht, d.h. wenn sich die Reisekrankheit durch die anderen Mittel nicht mehr bekämpfen lässt, die See stürmisch bleibt (im Flugzeug landet man immer nach wenigen Stunden) und der Patient das Stadium erreicht hat, in dem er ernsthaft erwägt, Suizid zu begehen.

Chlorpromazin: Thorazin, Megaphen, Largactil

Falls Ihnen der Name Thorazin bekannt vorkommt: Ja, es ist dasselbe Medikament, das bei Psychosen eingesetzt wird. Neben seiner Wirkung als Psychopharmaka hat es stark brechreizdämpfende und übelkeitsunterdrückende Effekte. Es führt zu allergischen Reaktionen, Lebervergiftungsstörungen und in seltenen Fällen zu einem allergisch bedingten Stau des Gallensekrets, der tödlich enden kann. Daneben ist die Wärmeregulierung des Körpers gestört, was zu einem Hitzestau oder einer Unterkühlung führt.

Prochlorperazin: Compazine, Buccastem, Stemetil, Phenotil

Prochlorperazin ist ein extrem starkes Neuroleptikum, das, wie die vorangegangenen Mittel keinesfalls in die Hände von Laien gehört. Es blockt die Chemorezeptoren-Triggerzone (CTZ), die das Brechzentrum im Gehirn steuert.

Es ist sozusagen die Ultima ratio im Hinblick auf die Reisekrankheit. Es soll nur im Notfall eingesetzt werden, da die Nebenwirkungen denen von Chlorpromazin gleichen – viele Leute reagieren außerdem allergisch, was sich in Krampfanfällen und Muskelspasmen im Kopf- und Rückenbereich äußert. Weitere Symptome sind Ruhelosigkeit, behindertes Sprechen, Körperzittern und gelbliche Augäpfel.

 

Was gehört in die Segeltasche?

1. Papiere – Dokumente – Geld

  • Bargeld – Ja etwas in den Ländern des Teuros, ansonsten Landeswährung mit der richtigen Karte von der „cash machine“ im Urlaubsland.
  • BankCard und zusätzlich eine Kreditkarte lohnt sich als Nachweis der Liquidität.
  • Personalausweis oder Pass, dessen Gültigkeit in einigen Ländern noch mindestens 6 Monate länger als das Datum des Reiseendes sein muss.
  • Autoführerschein für größere Landausflüge.
  • Auslandskrankenversicherung, Ärzte wollen fast überall Cash sehen!!
  • Kopien der Dokumente, 1 x fürs Gepäck und 1 x für zuhause.

 

2. Bekleidung

  • Regenjacke – muss keine Segeljacke sein – Wanderjacke tut’s auch
  • Regenhose – im Sommer reicht im Süden eine einfache Fahrradregenhose
  • Bordschuhe – z. B. Turnschuhe mit heller Sohle – gibt keine schwarzen Streifen
  • Sonnenhut/Mütze – sollte nicht beim ersten Windchen davonfliegen
  • Schuhe – für den Landgang – Ausflüge – Essen – Kneipe – Cafe
  • feste Badesandalen – sind besser als Badelatschen …… die lieben Seeigel
  • Jeans etc. – abends wirds auch im Süden manchmal kühl
  • kurze Hosen – es kann tagsüber ganz schön warm werden
  • 1 warmer Pullover – oder Fleece-Jacke für kühlere Abende
  • T-Shirts – sind wohl am problemlosesten
  • Sonstiges – was man so mitnimmt: Socken–Unterwäsche-Nachtwäsche……
  • Badekleidung

 

3. Sonstiges

  • Medikamente – nach Bedarf – wg. Seekrankheit s. extra Artikel
  • Toilettenartikel – wie üblich
  • Handtücher – gibt´s inzwischen oft vom Vercharterer – informieren…..
  • Sonnenmilch – LSF eher etwas höher als gewöhnlich + Lippenschutz
  • Sonnenbrille – mit Band damit das Ding nicht ins Wasser fällt
  • Kleine Taschenlampe – evtl. unbeleuchteter Fußweg zur Kneipe, Restaurant etc.
  • Dünner Schlafsack, alternativ Bettbezüge vom Vercharterer – informieren….
  • Fotoapparat – es gibt immer was zu fotografieren

…….. und nicht vergessen, alles in einer Reisetasche oder einem Seesack!

Ein Koffer braucht auch leer noch viel Platz!